Jeder kennt sie. Die utopisch wirkenden hohen Gagen an der Spitze stehender DJs. Die Beträge sind hoch, vierstellig und bestärken den Mythos des schnell verdienten Geldes beim DJing. Die Realität sieht ein wenig anders aus und muss berücksichtigt werden.
Abzuführende Umsatz- und Einkommenssteuer lassen die Gage schrumpfen. Hinzu kommt, dass man für einen (auswärtigen) DJ-Gig locker mal 24 Stunden unterwegs ist. Plus die Zeit, die man im Vorfeld dazu nutzt, Tracks zu sortieren, taggen und testen, Equipmentkonstellationen zu probieren sowie nach neuen Tracks zu recherchieren. Neues DJ-Equipment kostet, ebenso neue Tracks.
Zuvor. Es gibt keine allgemeingültige Gagentabelle. Darum halte ich mich auch mit Empfehlungen zurück. Nur soviel: Solange alles als Hobby zählt und die Gigs sich nicht häufen, muss man nicht viel kalkulieren. Hier hilft es, sich zu orientieren, was andere DJs in gleicher Position nehmen und den eigenen Marktwert einzuberechnen. Mehr lesen »
Angesichts der aktuellen Loveparade-Tragödie wächst die Kritik an Massenveranstaltungen mit solch übertriebenem Konzept. Auch den einstigen Sinn der Sache trifft dieser kommerzielle Menschenauflauf nicht einmal mehr ansatzweise. Warum also nicht wieder zurück zum Ursprung…? Mehr lesen »
Damals war nicht alles besser, sondern nur anders. Auch die DJ-Namen. Während in den 70/80ern das Künstlerpseudonym bezeichnend sein musste (Grandmaster Flash, Kool DJ Herc…), war es später en vogue ein “DJ” vor seinen Namen zu platzieren. Danach konnte der Name nicht abgedreht genug sein, gerade in der elektronischen Musik.
Daraus bildete sich eine Art Namenskonvention für Künstler der plattendrehenden Zunft und eine Vielfalt, die bis heute anhielt. Das macht das Flyerlesen zu einem lustigen, manchmal auch haarsträubendem öfter aber auch anerkennenden Vergnügen. Bis heute.
Folgten damals die DJs auf der Oberkante des “Underground-Mainstreams” eher nur dem Fluss des Musikstyles, sind es jetzt zusätzlich die eigenen Namen, die daran glauben müssen. Denn die ganzen Paul Kalkbrenners, Oliver Koletzkis, Thomas Schumachers, Daniel Stefaniks und Marko Fürstenbergs da draußen leuchten mit dicker Vorbildfunktion.
So genügt es dem eigenen Anspruch nicht mehr DJ Soundso zu heißen oder ein Fantasiewortwerk zu bemühen, nein, es werden jetzt Vor- und Zuname gewählt. In blindem Wahn natürlich die echten auf der Geburtsurkunde prangenden, was einem (wenn es mal was mit der DJ-Karriere werden sollte) schnell zum Verhängnis werden dürfte (Stichwort: manische Fans).
Ich mache mir es allerdings zu einfach, begrenzte ich es auf schnödes Mit-dem-Strom-schwimmen. Es exisitiert ja nun auch dieses mehrere Millionen Nutzer schwere Jahrbuch mit weißer Typo auf blauem Grund. Und dort liegt das Hinterteil des Hundes begraben. Mit dem echten Namen wird man dort natürlich viel schneller gefunden und Freunde-Sammeln geht mit dem privaten Account auch viel fixer.
Die 2000er prägen die DJ-Namenswahl also weiter.
Freuen wir uns auf 2015, wo sich alle DJs nur noch mit Ziffern bezeichnen werden.
DJ 5000 formerly known as Daniel
Seit Jahren tingele ich von Party zu Party und fast genauso lange stehe ich als DJ hinter den Plattentellern. Jetzt habe ich es geschafft.
Die TopTen, was man am Abend hinterm DJ-Pult von den Gästen zu hören bekommt.
Und hier ein weiterer Teil der 10-Dinge-Reihe.
Seit Jahren tingele ich von Party zu Party und genauso lange sehe ich den Nachtleben-Leuten bei ihrer Arbeit zu. Jetzt habe ich es geschafft.
Zehn bombensichere Tipps, wie man sich bei der Barbedienung beliebt macht, wenn gerade besonders viel zu tun ist:
Und immer daran denken:
Solange man noch “Bier” sagen kann, bekommt man noch eins!
Ich hatte nie mit dem Gedanken gespielt oder es je zu fragen gewagt; doch ich glaube, Vinyl wird als Handwerkzeug für den DJ langsam an Bedeutung verlieren. Nicht so langsam wie in den letzten Jahren, die Kurve nach unten wird steiler. Was schade ist, denn das Bestreiten eines Sets mit den schwarzen Scheiben hat eine gewisse Dynamik, für den DJ und für die Zusehenden. Das Eindrehen, das Lesen der Rillen, die Aufschluss über Geschwindigkeit, Breaks und Flächen geben oder auch irgendwie die Sammelleidenschaft in Zusammenhang mit der Haptik und dem kognitiven Speichern der Titel im Gedächtnis. Man merkte sich die Cover, nicht die Namen. Mehr lesen »
Ok. Der Titel ist vielleicht etwas gewagt, aber es ist schon interessant, den Verlauf der elektronischen Tanzmusik (und deren Nachzieheffekt in die Provinzen) zu betrachten. Denn jetzt ist es soweit. Der Prozess ist schleichend, geht dennoch vorwärts und sorgt wieder für fröhliche Gesichter auf den Tanzflächen: Ja, die Musik wird wieder housiger.
Damit meine ich nicht die Housemusik allein. Die gab es immer und gerade US und UK haben da wegweisende Veröffentlichungen, die nahezu unerkannt an Europa vorbeigehen. Auch Leute wie Sneak, denen ja schon lange eine Abwesenheit von der Bildfläche beschieden worden ist, haben mehr Veröffentlichungen in den mageren Housejahren, als so mancher französischer Hype-Produzent.
Ich meine vielmehr das Gros der Produzenten, die man als feste Instanz sehen kann, und von denen man seit Jahren (teilweise sogar Jahrzehnten) Releases präsentiert bekommt. Bei ihnen hat man gemerkt, wo der Hase läuft. Erst wurden die Tracks electroider und französisch distorted, dann kam die Minimal-Ära, die sich rasch ausbreitete, doch jetzt…
Jetzt kommt die lockere Housemusik zurück. In den letzten Monaten konnte man die Versüßlichung des 4/4-Genres geradezu schmecken und nun purzeln mir täglich Tracks in Postfach, die den Funk und Disco in die Musik zurückbringen. Nicht im Sinne vom klassischen House, sondern eher in der Verspieltheit von Melodien und Arrangements und Sampleauswahl. Was Villalobos begonnen hat und mit anderen Releases mal mit einem Saxophon oder einer Posaune an die Oberfläche kam, schwimmt nun ganz oben.
Ich find das toll.
Die beiden waren ja sowas von eine Institution. Erst Housefrau, später House-TV bei VIVA, dem schrägsten und dilletantischstem Musik Sender zu der Zeit überhaupt: Sabine Christ und Mate Galic. Beide irgendwie zwar gleich in der Denke, aber trotzdem Gegenpole, wie man sie sonst kaum hätte auftreiben können.
Sabine Christ war das liebe Mädchen von nebenan, immer die erwachsenere von beiden, trotzdem schräg und Partyfrau. Mate Galic dagegen der verpeilte Star der Sendung. Es schien so, als wenn er dauerbreit vor der Kamera stand (ok, vielleich war er es auch). Seine Interviews mit den Gästen sind einzigartig, seine verschwurbelten Ansagen ein Fest. Und kaum zu glauben, dass er zu einem Macher geworden ist. Nachdem er VIVA verließ, war er schon verstärkt ls DJ aktiv, wurde dann aber Produktdesigner bei Native Instruments. Später Pressesprecher und seit 2009 technischer Leiter der Musik-Software- und -Hardware-Schmiede.
Sabine Christ blieb eine Weile länger bei VIVA und moderierte die Sendung bis in die 2000er hinein. Zeitgleich war sie als DJ aktiv, zog später aber nach Australien, wo sie jetzt ein zurückgezogenes Familienleben lebt und ab und zu doch mal wieder in die alte Heimat für einen DJ-Gig zurückkehrt.
Wer in den Neunzigern mit Techno seinen Lebensstil definierte, kam an der WDR-1IVE-Sendung “Treibhaus” nicht vorbei. Moderiert hatten es damals von 1995 bis ca. 1998 (?) die beiden DJs Steffen Irlinger und Ingo Sänger, die – anfangs noch mit unbeholfenem Mixing – die dicksten Scheiben vorstellten. Grenzen gab es keine, ob nun House, Minimaltechno oder Drum’n'Bass. Hier ging alles und die Anmoderationen sind das Krudeste, was je über den Äther ging. Doch was machen die beiden jetzt?
Steffen Irlinger, mittlerweile 42 Lenze zählend, hatte noch einige Zeit den Hut als DJ auf und wandte sich dann ruhigeren Tätigkeiten zu. Er ist Mitglied der Band Donna Regina, schreibt Hörspiele und arbeitet als Music Supervisor für Fernsehen, Film und Hörfunk. Nebenher hat er die elektronische Musik und das Radio natürlich nicht vergessen und präsentiert die Sendung “Freischwimmer” auf ByteFM.
Ingo Sänger ist noch ein wenig mehr in der Szene verwurzelt. Er ist weiterhin als DJ unterwegs, präsentiert eine eigene Partyreihe in Dortmund, betreibt das Label Farside Records und veröffentlicht nicht nur dort mit seinem musikalischem Partner Herb LF (Gush Collective) unter dem Pseudonym “Westpark Unit” angenehm deepe elektronische SlowDown-Musik; Broken House, wie man es so schön nennt. Und er ist bei 1LIVE geblieben. Jeden Sonntag morgen von 2 bis 6 präsentiert er da den Partyservice.
>>> Steffen Irlinger mit Freischwimmer auf byteFM
>>> Ingo Sänger Soundcloud Mix
>>> Ingo Sänger Web-Seite
Weil’s so schön war:
Zehn weitere unumstößliche Tipps, die einen guten DJ ausmachen.