Ich habe gestern die Diskussionsrunde GEMA = GEMAin? im Distillery via Stream verfolgt. Im Nachhinein bin ich doch recht überrascht, wie ergiebig das Gespräch geworden ist, auch wenn es gerade von Seiten des Publikums eher destruktiv zur Sache ging.

Enttäuscht wurde ich etwas von Daniel Stefanik, der sich zwischenzeitlich in seiner eigenen Polemik verfing und zu emotional wurde. Eigentlich schade, da seine anfänglichen Statements und sein geballtes Wissen zur Clubkultur gegenüber dem GEMA-Verteter Uwe Dorn klar und hilfreich waren.

Der war überraschend gründlich vorbereitet und versuchte sichtlich Licht in die GEMA-Strukturen zu bringen. Sein Vortrag zeigte, dass er gewillt ist, sich mit dem Thema Clubs auseinanderzusetzen, jedoch immer noch gehörige Fehl- und Unterinformationen innerhalb der GEMA vorhanden sind. Erhellend beispielsweise der Moment, als sich herausstellte, dass die Dresdener Showboxx bis dato noch keine Veranstaltungen mit Tonträgern angemeldet hatte. Eine Beweis, dass Lokalitäten völlig falsch von der GEMA eingeschätzt werden aber auch eine Bestätigung Dorns Worte, dass mindestens 30 Prozent der Veranstaltungen nicht oder falsch gemeldet werden. Sein: «Die GEMA ist ehrlich», sorgte dennoch für laute Lacher.

Stefanik versuchte etwas Klarheit in die GEMA-Denke zu bringen und das Habitat Clubkultur zu verdeutlichen. Klare Worte auch vom Betreiber des Distillery, Steffen Kache. Er schilderte transparent die Auswirkungen einer Tarif-Reform auf den Club. Erstaunt war ich über die Eloquenz und die Einsichtfähigkeit von Uwe Dorn. Leider wurde das am Abend nicht so wahrgenommen und gewürdigt. Den Schaum vor den Mündern der Gäste im Publikum konnte man förmlich hören. Die Stimmung war deutlich zu gereizt; Zwischenrufe und Häme keine Seltenheit.

Dorn parierte jede Frage mit oft sehr unbequemen Antworten; unterstützt von GEMA-Mitglied und Musiker Markus Rennhack, der aus seiner Sicht die Arbeit der GEMA kritisch aber fair beurteilte. Logisch, dass er damit schnell den Anfeindungen des Publikums ausgesetzt war. Die Lager waren dahingehend leider ziemlich deutlich aufgeteilt.

Wenn ich jedoch an den DE:BUG-Roundtable mit der weitaus zänkischeren und uneinsichtigen GEMA-Vertreterin Silvia Moisig zurückdenke, wurde in der gestrigen Diskussion in einigen Dingen ein klarer Konsens gefunden. Man einigte sich beispielsweise schnell darauf, dass DJing (im Club) ein künstlerischer Akt ist, der mit einem LIVE-Auftritt gleichzusetzen ist. Damit fiele ein ganzer anderer Vergütungstarif an und gespielte Titel würden titelgenau abgerechnet werden.

Über die Umsetzung in der Praxis wurde dann natürlich wieder ausgiebig gezankt, obwohl sich beide Seiten über die Grundzüge einig waren. Hier merkte man, dass eindeutig ein vermittelnder Posten gefehlt hat. Jürgen Kasek als Moderator griff da immer noch zu wenig ein.

Interessant auch ein schlüssiges Argument von Uwe Dorn zu der Verwertung GEMAfreier Musik. Er teilt den Wunsch der Anwesenden, dass für nicht bei der GEMA gelistete Musik keine Abgaben zu leisten sind. Er verwies aber auch auf die Wichtigkeit der Wahrung der Rechte solcher GEMA-freien Musik. Ein Großteil solcher CreativCommonsMusik (um nur ein Beispiel zu nennen) schließt kommerzielle Nutzung aus. Ein Clubabend, wie klein er auch sein möge, ist nun aber mal kommerziell. Das führt zwangsläufig dazu, dass Veranstalter bzw. Künstler sich mit jedem einzelnen Urheber auseinandersetzen müssten, ob Titel  eingesetzt werden dürfen und ob/wie der Urheber dafür vergütet werden möchte.

Jetzt bleibt abzuwarten, was beide Parteien aus dieser Diskussion mitnehmen. Die Ansprüche der GEMA dürften deutlich und in Teilen nachvollziehbar sein. Konsequenterweise auch die allzu logischen Forderungen der Clubs. Man wird abwarten müssen, inwieweit Uwe Dorn seine Erkenntnisse in die Führungsetage der Verwertergesellschaft einbringt. Der Anfang ist aber gemacht, denke ich.

Eines brennt mir aber noch auf der Seele:
Als persönlich beschämend empfand ich die Arroganz und Großkotzigkeit gegenüber den am Abend viel gescholtenen und mit Häme bedachten Diskotheken. Dennoch war all die Jahre der günstige Disko-Tarif gut genug für die Clubs. Jetzt, wo es ans Eingemachte geht, ist eine klare Abrechnungs-Linie zwischen Club und Disko gewünscht. Aber wer entscheidet, was in welches Lager fällt? Sind L1, Velvet oder Moritzbastei schon Disko oder noch Club? Hier dürften die Meinungen deutlich auseinander gehen.

Gerade der Bereich der Urban Beats, HipHop spielt sich nunmal auch viel auf den «Black-Floors» der Diskotheken oder ähnlicher Veranstaltungen ab. Die DJs dafür haben mixtechnisch deutlich mehr auf dem Kasten, als mancher Club-Artist und schleppen neben Vinyls, Laptop, Controllern und Co. oft eigene Mixer in die Venues. Unterm Strich kommt das einem LIVE-Auftritt genauso nahe, wie ein DJ-Set in einem Club mit elektronischer Musik…

Einen Mitschnitt der Sendung gibt es übrigens hier:
https://fileserv.lupino.org/


Autor: Daniel
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Über den Author

Daniel Autor: Daniel Reiche ist Grafikdesigner und DJ aus Leipzig, freiberuflich in den Segmenten Grafikdesign, Layout und Social Media tätig und desöfteren als DJ in Clubs und auf Privatfeten unterwegs.. Zum Google Plus Profil

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3 Kommentare

  1. Pfadfinder schreibt:

    Einigung im Tarifstreit … Die GEMA gewährt Betrieben, die zwei oder mehr Veranstaltungen wöchentlich durchführen, gesonderte Einführungsnachlässe auch für Veranstaltungen mit einem Eintrittsgeld von weniger als 10 EUR über einen Zeitraum von 5 Jahren.

    https://www.gema.de/presse/pressemitteilungen/presse-details/article/einigung-im-tarifstreit-ueber-gema-verguetung-im-diskotheken-und-clubbereich.html

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  2. Einer gegen hundert – GEMA = GEMAin? Rückblick | aepool – electronic music & digital djing kobe bryant shoes http://newkobebryantshoes.me.cc

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