Was soll ich an DJ-Gage verlangen?

Jeder kennt sie. Die utopisch wirkenden hohen Gagen an der Spitze stehender DJs. Die Beträge sind hoch, vierstellig und bestärken den Mythos des schnell verdienten Geldes beim DJing. Die Realität sieht ein wenig anders aus und muss berücksichtigt werden.

Abzuführende Umsatz- und Einkommenssteuer lassen die Gage schrumpfen. Hinzu kommt, dass man für einen (auswärtigen) DJ-Gig locker mal 24 Stunden unterwegs ist. Plus die Zeit, die man im Vorfeld dazu nutzt, Tracks zu sortieren, taggen und testen, Equipmentkonstellationen zu probieren sowie nach neuen Tracks zu recherchieren. Neues DJ-Equipment kostet, ebenso neue Tracks.

Was heißt das nun für den aufstrebenden DJ?

Zuvor. Es gibt keine allgemeingültige Gagentabelle. Darum halte ich mich auch mit Empfehlungen zurück. Nur soviel: Solange alles als Hobby zählt und die Gigs sich nicht häufen, muss man nicht viel kalkulieren. Hier hilft es, sich zu orientieren, was andere DJs in gleicher Position nehmen und den eigenen Marktwert einzuberechnen. Wenn man erstmal im Gespräch ist, wird kein Veranstalter mürrisch die Verhandlung beenden, falls die genannte Gage zu hoch ist. Er wird eine klare Ansage machen, was er ausgeben will und dann darf gefeilscht werden. Oft bringen ein paar zusätzliche FreeDrinks für sich und eine Handvoll Freunde (welche dann Stimmung machen und andere mitreißen) mehr, als mit Macht noch die Fahrtkosten rauszuholen. Man sollte dabei immer an mögliche Folgebookings denken und alle Faktoren miteinander abwägen.

Als Noname kann man beispielsweise nicht viel Geld verlangen. Denn wichtig sind nicht nur Musikgeschmack und Skills während des DJings, sondern vor allen Dingen, ob der Veranstalter bzw. Clubmanager eine volle Hütte hat. Gehört man einer bekannten (lokalen oder nationalen) Crew oder Club an, der hinter dem DJ-Namen prangt, spricht das durchaus für eine Fanbase. Wer sich selbst (durch viele Gigs oder eigene Produktionen) einen dicken Fankreis erarbeitet hat, kann durchaus auch nach oben pokern, wird in dieser Position aber eh seinen Marktwert schon kennen.

Nächster Punkt ist die Lokalität. Eine kleiner von einem Verein auf Selbstkosten betriebener Club mit vielleicht 200 Gästen am Abend wird keine üppigen Gagen zahlen können. Ein Großevent mit 800 Gästen und mehr hat da natürlich viel mehr Spielraum. Eine wichtige Rolle spielt auch die Lage der Lokalität. Der Club eine Querstraße weiter erspart einem viel Zeit und Ärger bei der Anreise; hier kann man durchaus mit der Gage entgegen kommen.

Keine Dumping-Preise

Bei allem Eifer sollte man jedoch eines nicht tun: Den Preis von sich aus drücken, um an mehr Bookings zu kommen. Klar kann man für gute Kumpel und befreundete Veranstalter mal einen Abend für lau bestreiten. Aber offensiv mit gedumpter Gage durch die Locations zu tingeln, freut nur die Veranstalterkasse. Man selbst reibt sich nur auf und zerstört zudem den DJ-Markt. Ein niedriger Preis wird schneller Standard als man Controllerjogwheel sagen kann und das schadet nicht nur dem Image und Wert von DJs, sondern mindert auch deren Qualität.

Ebenso sind sogenannte Türdeals mit Vorsicht zu genießen. „Eine Basisgage plus mehr, wenn es gut läuft,“ klingt verlockend, doch ab wann es gut läuft, bestimmt der Veranstalter. Man zieht letztlich immer den Kürzeren. Das mal ein Veranstalter mehr gab, weil es gut lief, ist mir in den Jahren als DJ jedenfalls noch nie untergekommen. Darum sind auch die lieb gemeinten Gagennachlässe – wenn es mal für den Veranstalter nicht gut läuft – zwiespältig. Wer da einmal mitleidvoll einknickt, kann sich sicher sein, dass beim nächsten Mal wieder gejammert wird.

Grundsätzlich sollte man die Gage zuallererst mit sich selbst ausmachen. Was ist einem die eigene Arbeit wert, wieviel reicht einem selbst für Aufwand und Mühe, wieviel muss es mindestens sein, damit man sich dabei noch wohl fühlt? Bei kurzen zweistündigen Sets mag das noch irrelevant klingen. Wichtig wird diese Denke aber, wenn ein 6stündiges DJ-Set in einer Bar ansteht oder ein zweiter kleiner Clubfloor den gesamten Abend beschallt werden muss. Da möchte man doch schon ein paar Scheine bekommen, dafür dass man sich die Nacht um die Ohren haut, den Abend aufwertet und Umsatz ankurbelt, egal wieviel Spaß man dabei hat.

Foto: sxc/yochim
Autor: Daniel
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