Fritz Kalkbrenner «Here Today Gone Tomorrow»

Dass Fritz Kalkbrenner im Windschatten seines Bruders, der global leuchtenden Berlinsound-Ikone Paul steht, bleibt unbestreitbar. Fakt ist jedoch, dass er schon vorher aktiv war und das Mitschwimmen auf dem Erfolg in der Familie kann man ihm nicht vorwerfen. Wer hätte es denn nicht so gemacht?

„Here Today Gone Tomorrow“ kann dabei getrost denjenigen empfohlen werden, die es als zu langwierig empfinden, auf eine neue Paul-Kalkbrenner-Veröffentlichung zu warten. Nur allzu großzügig hat sich Fritz bei der Sound- und Patternbibliothek seines Bruders bedient. So hat es jedenfall den Anschein. „Kings In Exile“, „Was Right Been Wrong“ oder „Wichita Lineman“ sprechen Bände.

Andere Tracks wiederum wirken trocken und unverarbeitet, seltsam schlifflos. Da hilft auch die Stimme von Kalkbrenner nicht, die in Sky and Sand noch so eingehend daherpfiff und jetzt eher denen gewöhnlich lustloser DeepHouse-Produktionen gleicht. Die Gitarre wurde mit Justin Lépany doch auch von einem Profi eingespielt, wieso musste Fritz Kalkbrenner selbst singen?

Nach Abklingen des Outros klebt ein fader Nachgeschmack auf dem Gaumen. Ein Autor hat vor der Veröffentlichung seines Manuskripts als Buch einen Lektor. So eine mentorähnliche Person hätte Fritz Kalkbrenner auch gut gestanden, hätte ihn auf die auffälligen Parallelen zum Berlin-Calling-Star aufmerksam gemacht und das Album von grundauf überarbeiten lassen. So ist es leider nur eine unfertige Kopie geworden, die außer zwei drei guten Rosinenpicker-Tracks nichts wirklich Aufregendes bietet.


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Foto: Eddy Kruse
Autor: Daniel
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