PopUp Leipzig Clubhopping 2009

2009 versprach die PopUp – neben ihrem Umzug der Messe in den Volkspalast – seitens des LineUps eine deutlichere Konzentration auf Band-Musik. Musiker, die das klassische Bandkonzept von der elektronischen Seite her aufrollen, waren selten vertreten und darum nur ein kurzer Schweif über das Festival am PopUp-Freitag.

WERK II
Erste Station in der Kochstraße. Das Werk II bot mit Maximilian Hecker und Kissogram zwei schöne Gegensätze an Musikern. Hecker wie erwartet ruhig, entspannt, melanchonisch und süßlich. Die Mädels lagen ihm zu Füßen und zogen nach seinem Auftritt stolz mit Autogrammen von dannen.

kissogram_werk2

Derweil Aufbau Kissogram. Lange Gesichter bei den beiden schon zu Beginn, als sie sich unters Fußvolk mischten; denn so richtig voll war es im Werk nicht. Dann der Start und der Bereich vor der Bühne füllte sich doch recht ordentlich. Kissogram begeisterten bereits 2007. Der charismatische und mit E-Gitarre bewaffnete Jonas Poppe und sein Elektronik-Soundmann Sebastian Dassé sorgten damals im UT Connewitz für eine ganz eigene Soundkulisse, woran die elektronischen Beats nicht ganz unschuldig sein dürften. 2009 sind Kissogram jedoch zu dritt. Joe Dilworth sitzt als Schlagzeuger mit im Boot und dadurch verliert der typische Kissogram-Gig seinen Reiz.

Nichts gegen den Schlagzeuger. Er war eindeutig derjenige an dem Abend, der am besten drauf war und mit flotten Worten, die Pausen zwischen den Titeln kommentierte und offen mit Tonmann und Publikum kommunizierte. Aber ein Schlagzeug macht diese Musik komplett kaputt. Gerade solche Sounds, die aus dem elektronischen Sektor stammen und dicke verschiedene Bassdrums beinhalten, nun durch ein schnödes Schlagwerk zu ersetzen ist ein grober Rückschritt und lässt sich Kissogram in der LIVE-Version nun in eine lange Riege ähnlicher Künstler einreihen. Dassé riss einiges noch mit seinen fräsigen Basslines, aber das Schlagzeug war (Bass ausgenommen) einfach zu dominant und übertönte teilweise sogar den Lead-Sänger. Schade.

MC CORMACKS BALLROOM
Nächste Station der irische Pub
mit seinen verwinkelten Hinterräumen, guter Bierauswahl und dem gemütlichen aber dennoch imposanten Ballroom. Der Sound hier natürlich nicht elektronisch aber so interessant, qualitativ und herausragend, dass ich es einfach erwähnen muss.

Es spielt Dr. No. Reifer DJ mit exzellenter Soundauswahl, dass sogar schon einige tanzen. Eigentlich selten, wenn noch alle auf die Band warten. Die kommt dann recht schnell auf die kleine Bühne und der Vorhang öffnet sich. The Soul Teenagers legen sofort los. 50/60s-RockPop, dass einem die Spucke wegbleibt. Dynamisch nicht zu weichlich und Dank HammondOrgel-Derivat, Saxophon und Posaune auch was für verwöhnte Ohren. Leute, das war endlich mal eine Band, wie sie sein muss. Die schicke Anlage mit ihrer im Raum verteilten Satelliten-Lautsprechern sucht ihresgleichen und bot eine perfekte Soundkulisse und spätestens mit dem funky Klassiker-Cover «House Of The Rising Sun» hatten die Soul Teenager alle im Raum auf ihrer Seite. Einfach perfekt.

ABSTURZ
Nach einigen Bierchen
dann weiter zum Absturz, dem im Feinkostgelände angesiedelten Miniclub. Unter dem Namen «Who put the L…» spielten hier einige Combos und Acts im Expressverfahren ihr Repertoire ab. Ein DJ, der in seiner kurzen Zeit schnell noch seine gesamte Bandbreite darstellen musste und damit maßlos übertrieb sowie ein Duo (I’m not a Band), dessen Promofoto eindeutig zu viel versprach. Das Violinenspiel war ja noch ganz ok, passte aber ganz und gar nicht mit dem Rest zusammen. Als dann die unvorteilhaften Anheizermädchen des Duos auf die Bühne sprangen, ergriffen wir die Flucht. Man muss nicht mehr alles haben.

SWEAT
Darum ab ins Sweat,
einem 2008 eröffneten Miniclub am äußersten oberen Zipfel der Südvorstadt. Ihn zu besuchen, nahmen wir uns mehr als einmal vor und nun sollte es endlich dazu kommen. Das Sweat ist einer der ersten «Electro»-Clubs, die hier in Leipzig wie Pilze aus dem Boden schießen. Allerdings mit dem Unterschied, dass er noch existiert. Hier sollten sich nun ein paar Kölner aus dem Kompakt-Umfeld sammeln. Fehlkonzept schon von Beginn an, denn der in Schwarz-Weiß auftretende Club hat eindeutig die junge Szene im Visier und eher Sägeelectro im Gepäck. So fehlte dank des LineUps sichtlich auch ein Großteil des Stammpublikums, der Rest war wie zu erwarten jung und mischte sich mit den PopUp-Gästen, die nahezu alle ihren Presseausweis penetrant rumwedeln mussten. Musikalisch dann Säge- und Wobbel-Electro. Nicht unangenehm aber auch nicht dolle. Tanzfläche voll, es hat geknallt, was will man mehr?

Doch dann die Band. Kurzauftritt mit drögem Geschrammel, Geblöke und Hampelmann-Sound, den Hamburg, Lado und Co. schon vor Jahren im Repertoire hatten. Nur stilsicherer und innovativer. Voll war trotzdem, denn sehen wollte die jeder mal (wer auch immer da grad war…). Nach ihnen war der Floor wie leergefegt und der folgende DJ spielte für den kläglichen Rest. Das Sweat hätte mit Nozé im Vorjahr der PopUp besser zu Gesicht gestanden. Diesesmal ein Reinfall und eher ein Armutszeugnis für den doch sonst mit recht gutem Booking gesegnetem Club.

ILSES ERIKA
Nun denn. Raus aus dem Club,
schwups ins Taxi und zu Ilses Erika. Auch dort war es dünne an Leuten. Schade. An den Playern startete Schlachthofbronx. Das dynamische Duo mit Vinyl, LIVE-Sounds und Sampleattacken war der Höhepunkt des Abends. Eine fette Mischung aus DubStep, Grime und Techno mit rasselnden Balkan-Sounds, Ravesirenen, Vocalschnipseln und Posaunen. Für viele zu hart; der Floor wurde übersichtlich. Die Verbleibenden hatten jedoch genug Energie und Tanzkraft um den energischen Sounds zu folgen. Ein Hammerliveact, der sich nicht still hinter seinen Geräten verschanzte, sondern noch eine dicke Show dazu lieferte. Das Video dazu gibt es hier.

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CLUBS:
>>> Werk 2 Leipzig
>>> Sweat Club Leipzig
>>> Mc Cormacks Ballroom @ MySpace
>>> Absturz Leipzig
>>> Ilses Erika Leipzig

KÜNSTLER
>>> Schlachthofbronx @ MySpace
>>> The Soul Teenagers @ MySpace
>>> Kissogram
>>> Maximilian Hecker
>>> I’m Not A Band @ MySpace


Autor: Daniel
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