Pleasure Unit im Kesselhaus Singwitz

Viel, verdammt viel hat sich getan innerhalb der ersten Pleasure Unit 2000, zu der man in der Lounge noch auf einfachen Matten und zerballerten Sofas saß und der mittleriweile fünften Runde der Veranstaltungsreihe, zu der man auf gemütlichen intakten Sofas und Podien Platz nehmen konnte. Voller Wehmut erinnert man sich an die frühere Schaukel.

Roché an den Decks mit deep melodiösem House, smart und unaufdringlich. Endlich mal kein Minimal-Sound in einem Chill. Lob. Auch die SupaChillas danach rödelten im Electro-Gebiet und Zoltan und Wossy sah man auch ab und an rumspringen.

Auch soundtechnisch klärt der Vergleich den Blick. Stand 2000 der House-Sound noch in den Kinderschuhen, war noch kein Massenphänomen und rein von Charts und Hits, ist selbiger im Kesselhaus gewachsen, zu einem Leutemagnet geworden und einer der Hauptmittelpunkte im Partybereich.

Zeit für was Neues also. Nach einigen kleinen Versuchen mit dem Breaks-Sound an einigen Freitagen im Loungebereich wurde die Kugel nun in die Vollen geschoben. Thomilla, der groovige Teil der Turntablerockers residierte im „House-„Floor des Kesselhauses, der dieses Mal keiner mehr war.

Schon Black Vel stimmte auf den Sound des Headliners ein und verzichtete bewusst auf alles, was nur nach House roch. Misstrauisch wurde da seitens der Gäste erstmal geäugt. Am Rande tanzten immerhin schon einige.

Der gemütliche Reigen im Obergeschoss stand da im krassen Kontrast zum Keller. Alian Parker, schon zu früher Stunde mit knackigen Mörderrhythmen, brachte die Meute auf dem Technofloor schon um diese Zeit zum Schreien und Pfeifen. Fantastisch.

Mittlerweile hatte sich auch Thomilla eingefunden und sprang drahtig und agil zwischen Turntables, Mixer und Laptop (hurra ein Mac) hin und her. Sein Sound erinnerte oft an die frühen 90er, in denen Breakgeschichten öfters mal in den Sets vorkamen. Seins bestand eben nur daraus. Klassiker, neue Geschichten und ein paar vereinzelte Hits schallten über das Publikum, dass sich den unterschwellig tanzanimierenden Arrangments der Breaks-Tracks nicht entziehen konnte. Sehr fein.

Zu diesem Sound war der Keller-Floor eine hübsche Alternative, die viele Freunde des 4/4-Taktes nach unten zog, auch wenn es teilweise einfach daran lag, dass es oben schlicht und einfach zu voll war.

Soapespierre hatte seinen Spaß. Mit seiner üblichen Zielstrebigkeit und klar definiertem Sound reihte er Smasher an Smasher aneinander, die für schweißgebadete und überhitzt freudige Gesichter sorgten.

Nach ein, zwei „Zugaben“ war oben dann auch Thomilla fertig. Er ließ sich noch einmal feiern, bekam seinen Applaus, kasperte mit Gunjah herum, der dann auch die Decks übernahm. Die Stimmung schlug sofort auf ihn über. Grinsend und zappelig schwenkte er vom Thomilla Prodigy Outro zu dem handfesteren 4/4-Takt über, der sehr technoid blieb, aber als willkommene Abwechslung gesehen wurde.

Über den aufgefangenen Gesprächsfetzen zwischen einem Muskelshirt-Träger und einem Mädel mit Mia-Frisur (beide nicht wesentlich über 18) kann dann jeder denken, was er will: „Man, acht Euro Eintritt ist ganz schön fett, wa?“ – „Ja, aber dafür ist das hier jetzt in.“

Auf alle Fälle Grüße an die Intensiv-Crew, weiterhin ein sicheres Händchen und auf hübsche Partys 2005.


Autor: Daniel
Das könnte Dich auch interessieren:

91 queries. 2,507 seconds.