Tanzend durchs Sommerloch – 26.09.09 Spazz-Gesellschaft im Kesselhaus Singwitz

Ich fühl mich wie vor zehn Jahren… Samstagabend 22 Uhr. Gleich wird es losgehen, auf zur Tanzveranstaltung. Aufgeregt bin ich, war ich doch den ganzen Sommer nicht mehr auf Party. Aufgeregt wie vor meinem ersten Besuch im Kesselhaus. Ab halb 11 kommt in mir ein Gefühl hoch, zu spät zu kommen, oder zumindest nicht pünktlich zu sein, ja, das Gefühl, etwas verpassen zu würden. Ich freu mich, auf die Musik, auf die Leute, aufs Kesselhaus, auf neue erinnerswerte Szenen für die Partychronik.

Natürlich habe ich noch nichts verpasst, als ich fast pünktlich zum Startschuss meinen Heimatclub betrete. Einige Gäste verstehen ihre Aufgabe im Empfangskommitee vor der Tür recht gut und erheitern Neuankömmlinge Auch drinnen ist schon gute Stimmung.

Es zieht mich in die Lounge, wo ich meine Ohren erstmal gemütlich mit den über den Sommer fast fremd gewordenen elektronischen Klängen aufwärme. Miami lässt die Teller drehen und wirft sanfte Töne in den Raum.

Nun bin ich bereit ne Stufe weiter zu gehen, ab zum Main/House/Oben-Tanzboden. Clitclutcher spielt hier mehr für sich als für die spärlich um randete Tanzfläche. Der Raum ist ansprechend ausgeleuchtet, die Musik hell und klar. In mir breitet sich eine angenehme Stimmung aus. Behutsam wage ich erste an Tanz erinnernde Bewegungen. Die Musik macht Lust auf mehr – Ich nehme mir vor, heut mal ne Runde hier zu tanzen. Später… denn nun zieht es mich erstmal in den Keller!

Auf dem Weg nach unten vernehme ich bereits die Vibrationen der Bässe. Ericsun beschallt das Gewölbe. Im Strobolicht zuckende Schatten füllen den Raum. Der moderate Techno wird angenommen, man tanzt sich ein. Mein Körper findet noch keinen Zugang zur Musik, versucht es zwar, doch fehlt der Reiz um in Extase zu gelangen.

Der Abend ist noch jung, ich war lange nicht mehr hier. Ich treffe liebgewonnene Gesichter, die ich mehrere Jahre nicht mehr gesehen habe. Nun gilt es also erst einmal Kontakte zu pflegen.

Was eignet sich da besser als der gepflegte Lounge-Rahmen: Gespräche umsäuselt von Musik, zu der es sich leicht mitschwingen lässt. Alec Trique und Miami verstehen die leichte Lebensart und lassen alle Anwesenden daran teilhaben.

Genug rumgesessen!
Der Oben-Floor ist mittlerweile voll, wenn auch die Tanzbegeisterung sich in Grenzen hält. Immernoch vernehme ich qualitativ hochwertige Musik.

Neolectric derzeit an den Tellern. Keine abgedroschenen Scheiben, Genuss für die Ohren!
Ich stimme mich drauf ein, dass es hier heut noch gut abgehen wird. Bis jetzt war alles nur Aufwärmrunde, der Knall steht noch bevor!

Abgehen, runtergehen. Lamar hat seinen Rechner bereits hochgefahren. Das Tempo immernoch moderat, angenehm, für die Kellergäste sicher ungewohnt. Als Lamar seinen vorwärts gehenden pumpenden Sound für wenige Sekunden in stampfende Marschbässe wandelt kennt die Feiermeute kein Halten mehr. Doch nur kurz ist der Exkurs in stupide Kellerdrescherei. Heut bekommt ihr mal was anderes zu hören und zu fühlen. Die Masse nimmt es an.

Wer schon einmal im Kesselhaus Singwitz war, weiß, dass die Intensivcrew stets um das Wohl ihrer Gäste bemüht ist. Eine gut funktionierende Bar mit mehreren Filialen, heute erweitert durch ein einfaches schmackhaftes kulinarisches Angebot, ohne dass der Main-Floor – wie es in der Vergangenheit einmal leider der Fall war – nach heißen Würstln nicht roch, nein, stank. Heute ist der Geruch trotz Würste nicht wurstlich.

Den Leuten schmeckt’s! Sie wollen F-L-E-I-S-C-H, die bekommen F-L-E-I-S-C-H!

Doch neben Verpflegung des Körpers kommen auch optische Reize hier nicht zu kurz. Ein liebevoll dekorierter Club mit Hang zum Detail.

Und – man glaubt es kaum, auch die Ohren kann man sich in Singwitz verwöhnen lassen! Unglaublich! Spazz³ ist also garantiert!

Im Keller geht es nun dem Höhepunkt entgegen – Hanno Hinkelbein hinkt an die Decks und lässt sich von Lamar den Staffelstab übergeben. Weiter stampft der Techno, ohne abzudriften. Die Leute tanzen durchs Gewölbe. Noch-nicht-da-gewesene lernen in ihrer Tanzwut diverse natürliche Unebenheiten des Fundaments besser kennen. Ein Sturz, kurze Sorge der unmittelbaren Tanznachbarn, ein Lächeln der betroffenen Person – nichts passiert! Weiter im Takt!

Mir gefällt besonders die letzte halbe Stunde von Hanno. Die Musik wird immer frickeliger, tendiert zum Noise, steigert sich in taktunabhängige, schier untanzbare Break- und Rhythmusspielereien. Jetzt gefällt’s mir! Nun kann man nicht mehr im Takt tanzen, der einzige Weg, hier heil durchzukommen, ist, sich der Musik einfach hinzugeben. Bis dahin pumpte der Techno stundenlang im Kreis, nun bricht’s mal aus – danke!

So richtig zum Kochen kommt heut leider nichts, oder ist es nur meine durch die Sommerhitze erschöpfte Feierlust, die mir diesen Eindruck vermittelt. Zumindest sind alle Floors tanzend besetzt, da gibt es nichts zu meckern. Für mich fehlt heut lediglich das Sahnehäubchen. Nichts desto trotz halte ich bis in den Morgen durch, die Lounge küren wir zum „Ersatzfloor“ (Wort des Tages!), denn hier weiß man was man kriegt.

Wenns oben zu lasch und unten zu gehackt ist – ach ja, ich vergaß, dass Jason Lancer übernommen hat und noch bissl rumknüppelt – dann ist die Lounge DER Ort der Zuflucht. Mal wieder stellen wir fest, dass die Tanzfläche hier viel zu vollgestellt ist. Also tanzen wir nur innerlich, ein paar An-/Abwesende tanzen bereits im Traum.

>>> intensivcrew.de
>>> Bilder bei sound-of-e.de


Autor: Anne
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