Nachtdigital

Warum ist dieses Festival eigentlich Monate im Voraus ausverkauft? Warum schwärmen so viele Bekannte davon? Und warum fahren Freunde Jahr für Jahr wieder dahin? Dieses Jahr also der Selbstversuch vor Ort…

Der allererste Eindruck war in der langen Schlange beim Eintauschen der Tickets in Eintrittsbändchen zu holen. Anstehen ist natürlich Mist, aber wo ist den der meckernde Jammer-Ossi? Cool – alle sind locker drauf und öffnen das erste Bier. Nach Erhalt des Bändchens und einer Mülltüte geht es durch einen aufwendig dekorierten künstlichen Tunnel aufs Gelände. Es gibt ein Zirkuszelt und eine Bühne unter freiem Himmel, einen idylischen See und rundherum viel Wald

Ankommen, Zeug vom Parkplatz schleppen, neue und alte Freunde begrüßen, Zelt hinstellen, Grill anschmeißen. Freudige Erwartung allseits.

Punkt um 9 geht es los
: Der erste Beat schallt über den kleinen See. Mit viel Ruhe und viel Gefühl fängt Thomas Zimmermann mit langsamen Dub-Techno an und spannt einen Bogen zu alten House- und Acid-Scheiben. Sehr passend. Irgendwann finde ich mich vor der Bühne wieder. Hier geht es diese Nacht mit vielen gebrochenen Beats eher experimentell zu.

Das Zelt rocken Black Rose
(Henrick Schwarz und Jesse Rose) restlos. Unglaublich viel Energie in der Musik der beiden. Tanzen. Irgendjemand reicht mir einen Flachmann – iihh Pfefferminzlikör! Ich frage jemandem nach nem Schluck Bier – er schenkt mir ne ganze Flasche. Exemplarisch für den tollen Umgang miteinander. Ewan Pearson legt jetzt sehr groovigen House mit vielen alten Klängen. Alle feiern miteinander. Längst tropft der Schweiß vom Zeltdach. Ich muss erst mal raus an die frische Luft. Hier gibt es gerade Proleme mit der Anlage. Was solls ab in den Schlafsack.

Bißchen von der Musik begleiteten Schlaf gibt es, ehe mich die Sonne aus dem Zelt treibt. Frühstücken? Nein erst mal wieder zur Bühne. Die Wighnomy Brothers spielen hier den ganzen Vormittag das beste aus 20 Jahren House. Groovy Musik, die man am See in der Sonne genießen kann. Ein DJ fällt betrunken um. Nur gut das die Gebrüder aus Zweien bestehen…

Später dann doch was essen
und am Grill Entspannung suchen. Die Hitze ist groß, der See nicht weit, die Gespräche geprägt von Glück und allgemeiner Trägheit.

15 Uhr beginnt die Bühne wieder mit der Beschallung. Daniel Stefaniks Liveset beginnt sehr passend mit Ambient. Als nach einer halben Stunde die ersten Beats kommen stürzt der Stefaniks Laptop ab – zu viel Sonne. Ab 17.30 spielt Koze ein sechseinhalbstündiges Set. Der Herr hat es echt drauf! Fängt mit sehr ruhigem und flächigem House an und zieht ganz langsam an. Zeit hat er ja genug.

Den Beginn der Nacht verbringe ich erst mal schlafend. Um 3 gehts dann wieder aufs Gelände. Eine mir bis dato völlig unbekannte bekannte Band namens Marbert Rocel sorgt bei mir mit einer Mischung aus Mia-Pop und jazzigem House langsam wieder für Schwung. Sehr coole Begleitung zum Aufwachen und eingrooven.

House-Urgestein Larry Heard
bringt mit typisch amerikanischem House danach das Zelt zum Kochen und überzieht gleich ordentlich. Nicht so schlimm, denn er war der letzte Act im Zelt. Spricht sicher für die Außergewöhnlichkeit des Festivals, wenn der vermeintlich teuerste Act so spät spielt.

Aber draußen ging
es weiter. Freunde hatten mir das als Highlight angekündigt und das war es auch. Steffen Benemann spielte zwischen 5 und 11 Uhr sein traditionelles Sonnenaufgangsset. Mit einer unglaublich guten Musikauswahl wurden genau die richtigen Platten gespielt. Flächig, dann wieder deep oder pumpend – der auf den Punkt passende Übergang zwischen wilder Feiernacht und sommerlichem Tag am Bagersee.


Autor: Robert
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