House of Niesel Hagenwerder

Das Wetter ist nicht das Beste. Das Lineup Geschmacksache und trotzdem freu ich mich, je näher „House of Summer 2009“ rückt, immer mehr auf das Wochenende!
Regen? Egal, ich hab ein Zelt, warme Hosen und Stiefel!
Lineup? Die buchen schon keinen Dreck!
Auf nach Osten! Auf zum Festival! Auf in ein Wochenende voll Musik unter Freunden! Auf zu „House of Summer“!

Dieses Jahr wäre für mich der Besuch fast ausgefallen. Wie dankbar bin ich aber im Nachhinein meinem Arbeitgeber, dass ich nicht – wie seit einem Jahr geplant – zur Fusion fahren konnte. Denn in einer Masse von über 60.000 Menschen ein Festival zu überleben, geschweigedenn erstmal reinzukommen und dabei noch was von der Musik zu haben, im besten Fall auch noch Erholung und Seelenheil zu erfahren, ist in meinen Augen schwer möglich.

Also schalte ich nen Gang zurück, entscheide mich für die Heimat, für die Familie im erweiterten Sinn. Denn das ist es für mich, das macht „House of Summer“ für mich aus: Ich fahre gern hin, fühl mich heimisch, fühl mich wohl  umgeben von  Freunden und Musik.

Das Wochenende beginnt stressfreier als in den letzten Jahren. Ich nehm mir dieses Mal Zeit. Ich muss nicht von Vorm-Anfang an dabei sein, auch wenn ich es gern wäre. Nein, heut gemütlich – Abfahrt daheim erst nach Einbruch der Dunkelheit. Als ich ankomme, baut sich vor mir auch kein Bild von herumwuselnder Vorbereitung auf, sondern ich seh eine Party, deren Stimmung bereits zu kochen beginnt.

Das Angebot, bereits Freitag loszulegen, wird dieses Jahr deutlich besser wahrgenommen. Zwei Zelte angenehm gefüllt, Musik die einlädt mitzumachen. Angenehm deshalb, weil es genug Leute sind, um sich nicht „komisch“ und beobachtet zu fühlen, wenn man sich der Musik hingibt, aber auch angenehm, weil man noch genug Bewegungsraum hat, um besagte Hingabe auszuleben.

Im sanften Morgennebel errichte ich mein Zelt. Der Tag war lang, die Nacht kommt dazu und der Hauptteil liegt erst noch vor uns!

Kaum gebettet, geht die Party am anderen Seeufer schon weiter – ein kleines Soundsystem fühlt sich dazu berufen, die schlafenden Gäste weiter zu unterhalten als gegen 5 auf dem eigentlichen Festivalgelände Zapfenstreich ist. Für mich heißt es also nun mehr Ruhen als Schlafen… Untermalt vom Klopfen sanften Regens und dem Geschrammel aus dem Hintergrund erfahre ich zumindest ein Quäntchen Erholung.

Der Hunger treibt mich dann aus dem Schlafsack und der See lädt zu einer kleinen Schwimmeinlage ein, die auch gleich als Muntermacher wirken soll – erfolgreich, wie sich herausstellt!

„House of Summer“ ist infrastrukturell mehr als günstig gelegen. Eine kurze Fahrt und schon sind diverse Supermärkte für die letzten fehlenden Utensilien erreicht und es kann gegrillt werden. Frisch gestärkt auf in den neuen Tag! Und der geht schon wieder gut los bzw. ist bereits in vollem Gange.

Wie jedes Jahr treten auf dem Kleinfeld verschiedene Fußballteams auf dem Kleinfeld gegeneinander an. Die NOL-Allstars holen sich nach einem Jahr Pause bei diesjährig erschwerten Bedingungen wie instabilen Toren und natürlich gewachsenem Hindernisgrün wieder „ihren“ Pokal zurück! Herzlichen Glückwunsch!

Die Halma-Lounge fällt leider aus, stattdessen gibt es Schnitzkunst und Vogelhäuschenbau mit Mr. K. sowie Dr. Monoshimas Crashkurs in verschiedenen Disziplinen wie Jump- und Kalki-Style sowie Krochererkennung und -differenzierung. Sehr lehrreich! Das vermittelte Wissen kann sofort an Ort und Stelle angewandt und ausdiskutiert werden.

Die zweite Runde des bereits am Freitag begonnenen DJ-Contests beginnt nebenher. Ich lausche im Vorbeigehen und bin gespannt. Die Musik passt zur Tageszeit, viele schauen zu, einige tänzeln mit. Das Publikum ist an der Entscheidung maßgeblich beteiligt, der Applaus geht mit in die Wertung ein. Sieger am Ende: Ibsy Illitron. Auch hier herzlichen Glückwunsch und weiterhin viel Freude an der Musik und am Mixen!

Parallel dazu wird auch den anderen Zelten wieder musikalisches Leben eingehaucht. Alle haben nun wieder Kraft getankt und tänzeln der eigentlichen „House of Summer“-Nacht entgegen.

Dieses Jahr ist das Lineup etwas experimenteller und ich kann auch nur bruchstückweise mein Urteil abgeben. Evok versorgt das Technozelt wieder ordentlich, danach wurde es wieder etwas sanfter mit Mandy Jordan und Terrik Mode aka Exec Bat. Im Anschluss der für mich unbekannte Click | Click, der zwar wenig druckvoll, aber dennoch zügig weiter vorantrieb. Das sich anreihende Urgestein Tanith spaltete schließlich die Gemüter. Einige kennen ihn von früher, konnten sich auf ihn einlassen und mit auf die Welle springen, die er anschob. Andere waren besser auf dem Mainfloor aufgehoben, wo Tvyks und danach Housemeister für Massenhysterie sorgten.

Eines meiner Highlights war die letzte halbe Stunde von Tanith – Klassiker und zum Ende der Übergang zu Mr. K. – das Tempo wurde gedrosselt, der technoide Bass neigte immer mehr zur Verschleppung und zum Bruch, Dubstep zog ein. Die Bewegungen wurden runder, tiefer, intensiver. Allerdings nahmen das nur wenige an, das Zelt leerte sich zusehends, aber die, die tanzten, waren eins mit der Musik.
Mir hat’s gefallen! Da waren aber auch ein paar Bretter dabei! Ich kam gehörig ins Schwitzen!

Ebenfalls hervorzuheben ist die durchgängig hohe Qualität in der Lounge, die jederzeit zum Verweilen und Krafttanken einlädt. Auch der Grill-Stand hat ein Lob, nein, sogar ne Auszeichnung verdient.
Einen solch guten Burger hab ich bislang noch nie gegessen!

Allgemein war die Stimmung natürlich gedrückt, der permanente Nieselregen schlug aufs Gemüt, machte mich schläfrig und sorgte allgemein dafür, dass nicht so viele Gäste anreisten. Nachts allerdings war die Stimmung auf allen Floors wirklich mitreißend! Auch auf dem Zeltplatz wurde weitergefeiert.  Da ließen sich die Leuten vom Wetter die Laune nicht vermiesen.

Der Sonntagmorgen war ruhig, wieder sanfter Niesel, Nebelschwaden durchbrochen von dumpfen elektronischen Klängen. Langsam packe ich meine Sachen, baue mein Zelt ab, verteile die letzten heimischen Kirschen, die das Wochenende überstanden haben, und meinen Kuchen als Stärkung für den letzten Akt.

Bis gegen halb 10 schließlich von Aufräumwahngetriebenen die Floors stummgeschalten werden, versorgen Clitclutcher und Ridgway&Voorhees noch die letzten tapferen Feiernden. In beiden Zelten ist bis zuletzt Bewegung und nach Stromkappung wird dem Unmut durch Pfeifkonzerte Platz gemacht. Auch in der Lounge bis zum bitteren Ende nochWohlfühlmusik. Einmal zerrt’s mich selbst da weg udn ich muss tanzen! Zu manchen Scheiben kann man beim besten Willen nicht ruhig sitzen bleiben. Eigentlich will man das ja auch gar nicht!

Nun ist das Ende also gekommen, manche verziehen sich wieder in ihr Zelt, andere brechen auf nach Hause und wieder andere eröffnen vor den Toren kurzerhand ihren persönlichen Autofloor.
Musik ist also weiterhin zu vernehmen.

Meine Kraft lässt nach, ich will nur noch heim. Das sieht man mir auch an.
Dieses Jahr bin ich meinem Familien-Festival gegenüber kritischer, trotz wirklich toller Momente musikalischer als auch komödiantischer Art, vermisse ich ein Stück der Seele des „House of Summer“ der letzten Jahre.
Ob’s nur am Wetter gelegen hat, kann ich nicht beurteilen. Ich zumindest bin der Ansicht, das Beste draus gemacht zu haben und war damit auch nicht allein. Die Stimmung war vielleicht geknickt, aber nicht resigniert.

Ich freu mich aufs nächste Jahr, auf die Fortführung der „House of Summer“-Tradition, auf neue Wege und wieder so schöne Stunden/Tage in Kreise der Freunde wie dieses Jahr und die Jahre davor.

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Autor: Anne
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