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Dokumentationen zu dem „Phänomen“ Techno sind rar geworden. Während in den Neunzigern eine Reportage um umtriebige Raver, elektronische Musik und Clubs die nächste jagte, sind diese nun doch eher dünn gesät. In den Öffentliche-Rechtlichen (von artes „tracks“ abgesehen) und erst Recht auf dem DVD-Sektor.

Bei SenseMusic wird die Fahne jedoch weiterhin hochgehalten. Als Produzenten des vierteljährlich erscheinenden DVD-Magazines „Slices“ sorgen sie mit Portraits, Interviews und Reports rund um elektronische Musik dafür, dass es weiterhin mediales Futter gibt.

Neu von Sense ist jetzt die kürzlich erschienene DVD-Dokumentation „We Call It Techno“. Die Publikation widmet sich aber im Gegensatz zu anderen Dokumentationen nicht den üblichen Klischés, sondern arbeitet Techno vom Ursprung in Deutschland Ende der Achziger / Anfang der Neunziger auf.

Produzenten sind Maren Sextro und Holger Wick, welche seit Langem selbst in der Szene aktiv sind und daher auf ein umfangreiches Netzwerk zurückgreifen können. So kamen sie zustande: Szenen von den Anfängen in der EBM-Szene in Frankfurt bis zum technoiden Befreiunngsschlag in Berliner Katakomben nach dem Mauerfall und Aufstieg des Techno von Avantgardismus zu Pop. Zu allem gibt es Video-Material. Sei es das Ur-Ufo, das Zweit-Ufo, Dorian Gray, die erste LoveParade, Tekknozid… irgendjemand hat immer draufgehalten.

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Doch die in einer angenehmen Optik gehaltene DVD ist nicht nur Videoresteverwertung. Der Sprecher aus dem Off hat viele Hintergrundinfos parat und auch aufschlussreiche Kommentare und Statements fehlen nicht. Szenealthasen wie Jürgen Laarmann, Ralf Niemczyk, Tanith (Foto), Wolle XDP, Hell… schwelgen in Erinnerungen und geben ihre ganz privaten Eindrücke des Erlebten beim Wachsen des Technokeims preis. Zumeist mit einem lachendem und einem weinendem Auge.

So ist aus der Dokumentation ein zweischneidiges Schwert geworden. Jüngere, die die Zeit nicht erlebt haben, erhalten zwar eine geballte Weiterbildung in Sachen Technokulturgeschichte, werden mitunter aber das Gefühl nicht los, dass es wieder auf das gern bemühte „Früher-war-alles-besser-Thema“ hinausläuft. All diejenigen, die diese mittlerweile ja schon fast 20 Jahre alte Ära miterlebt haben, erwärmt die DVD jedoch Herz und lässt nicht ohne Wehmut an die ersten Raves erinnern.

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Die DVD (16:9 anamorph, 100 Minuten) ist ebenso wie alle anderen Slices-Ausgaben ausschließlich online bei SenseMusic erhältlich. Von Massenbestellungen rate ich jedoch ab. Pro Artikel werden 2,- Euro Versand fällig. Bei mehreren Artikeln ist das nicht gerade wenig.

>>> sensemusic.de


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Autor: Daniel
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