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Zugegeben, es wäre etwas naiv zu denken, ein Stück schwarzes rundes Plastik mit ein paar Rillen drauf könnte die ganze Welt verändern. och vermag es „Fous de la Mer“ einen zwischen CO² Hysterie und Eiszeitszenarien in eine komplett andere Welt abtauchen zu lassen, in der alles Friede, Freude, Eierkuchen zu sein scheint.

Der geübte Hörer wird auf dieser Platte keine Mainfloor- Hymne erwarten. Viel mehr ist Fous de la Mer ein fester Bestandteil der Ibizasoundszene, deren Tracks eher in heimischen Wohnzimmern oder gemütlichen Chillouts zu hören sind. Dort wird sie aber ihr Ziel nicht verfehlen. Nicht umsonst startet diese EP im Juli mit einem Neueinstieg auf Platz 5 der deutschen Chillout- Charts.

Auf A1 wartet noch der rockigste Titel auf einen. Der Namensgeber der EP kommt mit Akustik- und E-Gitarre daher und eine zum verlieben sanfte Frauenstimme übergibt mir das Zepter meine eigene Welt zu erschaffen, bis ein kleiner Zwischenpart mich aus meinen Träumen reist. Ein für Fous de la Mer schon sehr aufregender Einwurf der zur Revolution aufruft. Ich komme mir ein bisschen vor wie ein französischer Bürger beim Sturm auf die Bastille, doch recht schnell werde ich wieder meinen eigenen Gedanken überlassen.

Mit einem digitalen Grillenzirpen als Taktgeber beginnt Track 2, der sogleich wieder Unterstützung von einem eingehenden Gitarrenrhythmus und der in meinem Kopf schon längst zur Traumfrau avancierten weiblichen Stimme bekommt. Diesmal überlässt mir Fous de la Mer komplett die Steuerung meiner Fantasien und so gleite ich langsam hinab in meine kleine Traumwelt. Der Neubaublock gegenüber meines Zimmers wird zur Strandbar, der graue Asphalt wird blau und flüssig und in einem Strandkorb davor sitzt eine gutaussehende Südseeschönheit die mit einem Gitarre spielendem Freund eine Runde jamt… was will man mehr?

Den Rücken in meine Couch gepresst, mit einem breiten Grinsen im Gesicht empfange ich das erste Lied der B-Seite. Auch hier erwarten den Hörer keine Experimente, sondern stetiger Ibizasound. Trotzdem entlockt mir der Song ein leises „Wahnsinn“ und ich kann mich nicht so recht entscheiden, ob ich einfach nur liegen bleiben soll oder tanzen will… möglich wäre beides.

Im letzten Song wird das eben beschriebene Thema noch einmal neu aufgegriffen. Diesmal noch weicher, ohne Gitarre, dafür mit ein paar Streichern. Ein noch intensiveres Gefühl packt mich. Wenn das was vor meinem geistigen Auge entstanden ist die perfekte Welt ist, möchte ich nicht mehr aufwachen.

Nach knapp 20 Minuten unterteilt in 4 Tracks ist die Reise zu Ende. Fous de la Mer wagt auch auf dieser Platte keine großen Experimente, doch dass müssen sie auch nicht. Ihr Sound wirkt einfach sehr natürlich und es gibt kaum Kritikpunkte, die aus meiner Sicht gegen einen Kauf dieses verträumten Gesamtwerkes sprechen würden. Ich für meinen Teil schalte erst einmal die Repeat- Funktion ein und tauche noch einmal in meine Welt ein, in der auch ein rundes Stück schwarzes Plastik mit ein paar Rillen die Welt verändern kann…

>>> fousdelamer.com 


Autor: Dr. Zoidberg
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