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Nein, das soll nicht das Review des längst feststehenden Radio- Sommerhits sein, sondern eher die vorherrschende Umgebung beschreiben, die ich vorfand, als das erste Mal „Elegance“ von „Lounge“ richtig auf mich wirken konnte. Eigentlich hatte ich mir in der 2. nasskalten Juliwoche schon eine Meinung zur CD der „Band“ Lounge gebildet. Doch diese warf ich zu einem großen Teil wieder über den Haufen, als ich mir alles mit fünf Tagen Abstand bei satten 30°C im Schatten noch einmal zu Gemüte führte.

Zwar sitze ich gerade eher in der misslichen Lage, ein unklimatisiertes Büro meinen Arbeitsplatz nennen zu dürfen, doch vermag es „Lounge“ diesmal wirklich mich in Urlaubsstimmung zu versetzen. Das war bislang nicht der Fall, was wieder einmal vortrefflich beweist, dass zu besonderer Musik auch diese besonderen Momente dazu gehören, diese Umgebung, die solche Klänge erst in das richtige Licht rücken können.

Die ersten beiden Tracks, Everyday und City Guide, stimmen sehr gut auf das Kommende ein. Atmosphärische Klänge untermalen die warme Stimme von Darrin Huss perfekt. Chillig und entspannt, als würde man in einem kleinen Boot geradewegs an der Mittelmeerküste entlang schippern.

Rise Above ist einer der Songs, die einen erst später richtig vereinnahmen. Ungewohnt, aber doch gelungen ist die Mischung von Soul und einer Brise Jazz.

Der Namensgeber der CD ist
auf Track vier zu finden. Leider ist dieses Stück das erste auf der CD, das meiner Meinung nach auch ohne die zweifelsohne gute Stimme von Darrin Huss besser ausgekommen wäre. Er besingt die Stimmung, die einem bei diesem Titel einfangen soll, welche Gefühle einen ergreifen sollen. Doch die sauber komponierte musikalische Untermalung seines Textes durch das Berliner Duo Elektrohandel hätte diesen Effekt auch ohne Worte umsetzen können. Meiner Meinung sogar noch besser. Das macht den Song nicht schlecht, jedoch hätte sich hier viel mehr Atmosphäre und musikalische Wärme erzeugen lassen.

Mit Love Satellite kommt ein etwas housigerer Track dazu. Sommerlich, spritzig, sportlich. Allerdings gefällt mir auch hier nicht jeder Stimmpart. Mit der sechsten Komposition („Flickers across the Screen“) beginnt man langsam die Bandbreite von Lounge zu begreifen. Er spiegelt außerdem einmal mehr das Potential der melodischen Kompositionen von Nils Hesse und Marco Drewes wieder, die dieses mal nur mit hintergründlichen Texten arrangiert wurden. Sie entwickelt eine sehr entspannend wirkende Eigendynamik, die zum relaxen verleitet, fast schon verpflichtet.

Wer Björk mag, dem wird Track sieben gefallen. Mich persönlich hatte die Isländerin Anfang der 90er nie überzeugt. Deshalb empfinde ich den Song als etwas unstrukturiert. Vielleicht braucht es aber auch einen dieser bestimmten Momente, in denen solche Songs ihr wahres Gesicht zeigen. Solitute zeigt aber, dass Lounge versucht, ihre Stücke so abwechslungsreich wie möglich zu gestalten. Das lässt die CD immer frisch und zeitlos wirken, egal wie oft man sie hört.

Vor allem „Leaving“ unterstreicht diese Tendenz deutlich. Hier erwartet den Hörer eine absolut geniale Mischung aus House und Drum & Base. Einer meiner Favoriten auf dieser CD, da der Text, der sehr einfach gehalten wurde, und die gebrochenen Klänge sehr schön miteinander harmonieren ohne nur einen Moment aufdringlich zu wirken. Lächeln macht sich breit. Vielleicht ist es sogar so, dass der Text dem Hörer diesmal nicht vorschreibt, was er gerade fühlen soll. Der gesamte Track entfaltet sich richtig gut und regt zu verschiedenen Stimmungen an. Genau das ist es, was diese Musikrichtung ausmacht.

Sunday Afternoon fühlt sich auch genau so wie sein Name an. Ein Song, bei dem man richtig in sich selbst versinken kann. Schließt man die Augen, könnte man meinen, seinen eigenen Körper zu hören. Oder einen warmen Sommerregen, dessen Erguss in unregelmäßigen Abständen auf die Wasseroberfläche eines Sees tropft, der ins Abendrot getaucht ist. Entspannung ins Quadrat!

Der Rest der CD ist mit Remixen schon beschriebener Songs gefüllt, die noch einmal versuchen, bereits gemachte Impressionen zu zerstreuen und neu zu formieren. Besonders hervorzuheben ist dabei die akustische Version von „Everyday“. Spätestens jetzt hat einen die Stimme von Huss in seinen Bann genommen, die hier perfekt von Akustik- Gitarre, Schlagzeug und ein paar Synties begleitet wird.

Alles in allem ein sehr schönes Album.
Ich persönlich vergebe 7,5 von 10 Punkten auf der Chillout-Sommerstimmungs-Skala. Für alle, die Abwechslung auch in diesem musikalischen Bereich bevorzugen und ihrer Ohrmuschel auch mal ein paar ungewohnte Klänge gönnen möchten, genau das Richtige.


Autor: Dr. Zoidberg
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