„Octan“ nun endgültig geschlossen

Dienstag, 26. Januar 1999 00:00 Uhr
Beitrag in Partyreview von Daniel 288

Bautzen. Sonntag, 0.30 Uhr – frierend stehen wir auf dem Parkplatz des Schlachthofgeländes. Wir, daß sind Andy und Daniel, zwei unermüdliche Musikfetischisten, denen kein Weg zu weit und keine Nacht zu lang ist.
Unsere Blicke schweifen über die Nummernschilder: BZ, KM, DD, HY, L, C, GÖ, MEI… Die Party verspricht wieder mal geil zu werden. Klappernd wie Espenlaub steigen wir die schmale Treppe zum Einlaß hinab. Dröhnende Bässe und schmetternde Hat’s empfangen uns beim Öffnen der stahlbeschlagenen Tür.

Statt der üblichen 15 werden heute mal 18 Mark verlangt; kein Wunder bei der DJ-Masse. Doch der Preis ist in den gut geheizten Räumen schnell vergessen. Die sechs Kilowatt Musikanlage auf dem Main-Floor gibt ihr Bestes:

An den Trommelfell zerrende Hat’s und Bässe, so hart wie Omas Kuchen nach drei Wochen, hüllen uns ein, wie ein warmes Bett in kalten Winternächten. Schnell mal an der Bar ’nen Drink geholt und weiter zu den anderen Floors. Geht es im „Electric-Room“ noch etwas gemächlich zur Sache, ist der House-Floor schon wieder zum Brechen voll.
Mit Müh‘ und Not kämpfen wir uns durch den blitzenden Nebel, ergattern zwei Plätze auf der Couch und lassen uns von der Musik berieseln.
Einmal sitzen immer sitzen: Um nicht auf der Couch einzuschlafen, stehen wir auf und beginnen, uns einen Weg durch die Menge freudiger Partypeople zu bahnen.

Es ist kurz nach eins und die nette Barbedienung hat alle Hände voll zu tun. Nach unserem zweiten Drink geht’s endlich auf die Tanzfläche. Hüfteschwingend erleben wir den DJ-Wechsel. Die großen Wärmeregulatoren wurden mittlerweile von Heizen auf Lüften gestellt. Trotzdem kocht der Raum und die Wände schwitzen im wahrsten Sinne des Wortes. Schweißüberströmt beginnen wir wieder einmal den abenteuerlichen Weg über die Bar zum House-Floor. Dort angekommen streikt mein Mitstreiter und ich bewege mich tanzwütig zum Rhythmus der exzellenten House-Musik. Irgendwann trolle ich in den nun gut funktionierenden Electric-Room. Dort erwartet mich eine gute Mischung aus Techno, Elektro und Freestyle, die einen nicht mehr still auf der Stelle stehen läßt.

Es ist jetzt halb fünf. Als wir es vor Wärme nicht mehr aushalten, verdrücken wir uns nach draußen. Nach der erfolgreichen Aklimatisierung kehren wir zum Eingang zurück. Doch dort werden wir freundlich aber bestimmt zurückgewiesen: Sperrstunde!! Eine halbe Stunde später ist es endlich sechs Uhr. Wie die Ameisen wuseln die wartenden Gäste wieder in den Club. Sofort nehmen wir wieder die Tanzfläche in Beschlag. Irgendwann fährt unser Zug, fällt mir ein. Aber Andy ist nirgendwo zu sichten. Naja, egal in zwei Stunden fährt wieder ein Zug…

Die erste Party im „Octan“ am 26. Dezember 1997 lief prima und es wurde angefangen, große Pläne zu schmieden: Jugendtreffs, Filmvorführungen, ein Café im oberen Stockwerk, eine Skaterbahn… Aber der Club geriet ins Kreuzfeuer der Ordnungshüter. Im Februar vorigen Jahres filzte eine Polizeimannschaft samt Hund den Laden nach Drogen und anderen illegalen Dingen.

Auch internationaler Besuch, DJ’s aus Amerika und Großbritannien, nationale Musikgrößen im Technobereich, wie Clemens Neufeld, Ellen Alien, Monika Kruse, Hardy Hard, Jens Mahlstedt usw. konnten die sich nähernde Schließung des „Octans“ nicht verhindern. Mit dem 1. Februar wurde nun der Mietvertrag seitens der Stadt Bautzen bzw. dem Untervermieter Löblein gekündigt, um den Alten Schlachthof seiner wahren Bestimmung zu übergeben: dem Abriß!

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Ein Kommentar

  1. M wie Marta W wie Wilhelm schrieb:

    Danke :D

    Mittwoch, 16. Mai 2012 | 08:51


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