Grenzenlose Klangwelten

Fokus Festival heißt das großartige Projekt, das über Grenzen hinweg – hier besonders die Deutsch-Polnische – Jugendliche und Junggebliebene mit gleichen Interessen zusammenbringt. Verständigung auch über Sprachbarrieren hinweg ist die Devise. Als Kommunikationsmittel dienen Bild und Ton.

In Görlitz kommt heute die Welt zusammen.

Zuerst finde ich mich am Strand wieder. Gemütliche Atmosphäre, im Liegestuhl genieße ich die Sonne. Das kühle Getränk erfrischt mich und um mich herum herrscht buntes Treiben. Noch einmal Ruhe tanken, Augen schließen bevor sie weitergeht, die Reise der Kulturen.

Bereits am Check-In wurde ich gebeten, alle meine Vorurteile abzulegen. Nun reise ich mit leichtem Gepäck durch eine immer bunter werdende Welt.

Die Reise ist reich bebildert, gar künstlerisch ausgestaltet. Hinter jeder Ecke entdecke ich neue Kunstwerke, die von sich vorher Fremden gemeinsam gestaltet wurden.

Im Zauber der optischen Eindrücke verliere ich das Gefühl für Zeit und Raum. Ich finde mich am Mount Fokus wieder, ein wie unwirklich scheinender Gletscher der auch an diesem unerwartet schönen Spätsommertag befahren werden kann. Kühne Jünglinge zeigen ihr Können auf dem Snowboard. Ich bemühe mich nicht dem herumfliegenden Powder aus dem Weg zu gehen.

Ein Tal weiter werden die Boards beiseite gestellt und akrobatische Glanzleistungen beim Breakdance präsentiert. Auf dem Vita Cola Battle Ground geht es heiß her! Da wird sich nichts geschenkt. Dicke Beats drücken durch den Alten Schlachthof und Arme und Beine bilden eine rotierende Scheibe, manchmal auch nen Kreisel oder ne Kugel.

Kinnlade wieder hochklappen und Landeklappen ausfahren, denn unser Mutterschiff Nostromo hebt wieder ab.
Es geht gen Norden, wo uns Svantje schon erwartet. Sie verordnet uns die intensive Sound-Kur, die wir alle so nötig haben. Zuerst gilt es alles abzulegen, alle Bedenken, Schranken, alle eingefahrenen Denkweisen. Reset und sanfter Neustart in eine Welt des Klangs.

Wir fliegen in Überschallgeschwindigkeit kurz unter Land. Udosson, unser Kapitän, begrüßt seine Gäste und führt uns sicher durch diese ferne Galaxie. Klangwelten bauen sich vor unseren geschlossenen Augen auf. Im Hier und Jetzt verliert der Alltag seine Berechtigung, zählt nur der nächste Takt, die nächste Fläche, die sich hinter dem nächsten Hügel befindet. Wir wandern durch unendliche Wälder, halten Rast und schweben weiter.

Irgendwann wird alles schwarz.

Aus der Finsternis blicken mich zwei Augen an. Sie blicken finster und doch einladend. Ein grünes Licht lässt die Konturen einer Frau erkennen. Sie spielt mit dem Licht und erhebt ihre Stimme. Ich verstehe sich nicht, doch sie heißt uns willkommen: Jahcouzi.

Die vorher in aller Ruhe gewonnene Energie will sie mir nun wieder entziehen und ich lass es geschehen, gebe mich der Dubmusik hin, tanze die wohligen Wellen, die der Gesang der Fremden erzeugt. Eine klare Ansage: Jeder bewege sich nach seiner Façon. Die übernatürlich groß erscheinende Frau legt vor. Lasst euch gehen, macht was ihr wollt. Gebt euch der Musik hin, so wie ich es euch vormache.

Do what you want – das dachte sich auch das WHAT YOU WANT Kollektiv, das extra aus Jena und Leipzig eingeflogen kam. Sie brachten auch allerlei Astwerk mit um sich etwas näher an den grünen Wäldern und saftigen Auen der Heimat zu wähnen. Aus jenen Wäldern vernehme ich sanftes Trommeln. Bewegende Rhythmusspielereien locken mich. Ich blicke durch die Blätter und sehe Menschen tanzen, nein, vielmehr lassen sie ihre ganzen Körper träumen. Der Traum gefällt. Der Takt ergreift Besitz von mir und schon finde ich mich wieder inmitten dieser fremden und doch so familiären Gruppe.

Die Reise will kein Ende nehmen, doch ich gönne mir eine Umbuchung in den Schlafwagen. Als ich erwache wird bereits zum Brunch geläutet. Vegane Köstlichkeiten stärken nach dieser doch recht kraftzehrenden beeindruckenden Reise.

Der Fokus ist neu gesetzt.

>>> fokusfestival.eu
>>> Bilder der Sächsischen Zeitung

Foto: Anne
Autor: Anne
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