Cosmic Trip Open Air in Teplice Tschechien

Zum wiederholten Male jährt sich nun DAS tschechische Festival in Sachen elektronischer Musik zwischen Techno, Drum’n’Bass, Hip Hop, Nu Jazz, Minimal und diversen Live-Band’s. Wer Parties in der Tschechischen Republik kennt, weiß diese zu schätzen, zu respektieren und zu feiern. Teplitze liegt ca. 20 km von der Grenze weg und ist von Dresden innerhalb von knapp 2 Stunden zu erreichen.

Auf der Reise ans Ziel wird man bereits dermaßen mit Gastfreundschaft empfangen, dass zahlreiche junge leichtbekleidete Frauen am Straßenrand stehen und einem im Vorbeifahren lasziv zuwinken. Überrascht von soviel Emotion begibt man sich zum Festivalgelände, welches von der Lage und der Lokalität her in seiner Funktionalität besticht.

Bereits um acht Uhr abends drängeln sich ungeahnt hunderte von bunten Menschen und begehren den Einlass, so dass eine Stunde vor Sonnen Untergang gegen neun der Technofloor, bei dem es sich um ein leeres Schwimmbecken handelt, bereits mit der brodelnden Masse Mensch gefüllt ist.

Dabei ist der Anblick von Leuchtstäben, anderen Neonelementen und krassen Outfits, sowie das Feierpotential durchaus mit deutschen Parties aus den frühen Neunzigern zu vergleichen. Licht- und Anlagetechnisch präsentieren sich der genannte Technofloor, sowie die Semtex-Live-Stage (beide Floors werden umgeben von zahlreichen Ständen) perfekt. Gleiches gilt ebenso für die Freundlichkeit der Ordnungskräfte.

Wühlt man sich durch die ca. 15.000 Gäste beider Abende, steht man zum einem musikalisch überrascht da. Das heißt, unter dem Begriff Techno wird hier eher das kühl pumpende minimale Britische bzw. Skandinavische verstanden, welches ohne überflüssige Facetten und Schnörkel, auskommt.

Zum anderen ist die Begeisterungsfähigkeit der Besucher so hoch, dass keine großen Breaks von Nöten sind, um ein großes ausgelassenes Geschrei durch den riesigen zweckentfremdeten Pool gehen zu lassen. Neben Kaisersoze, Igor Pataky und anderen tschechischen Localheros sind am Freitag Dean Cole aka User und Taakaki Itoh Headliner des Abends.

Ersterer dürfte uns allen (?) bereits aus dem Sushiclub Zittau bekannt sein. Von gewohnt spielerischer Kunst an den Tellern weiß er die Leute mit straightem Birmingham Techno zu begeistern.

Leider ist der musikalische Schnitt zwischem ihm und Takaaki Itoh (Majesty rec.) so stark, dass ein Teil der Partycrowd eher etwas verhaltener auf diese Art von subtil minimalem 4/4 reagiert.

Hier zeigt sich dennoch, dass sich der Großteil der Crowd flexibel reagiert, weiterfeiert und aus dem Gebotenen das Beste rausholt. Eine gute Gelegenheit, einmal die Live-Bühne in Augenschein zu nehmen. Die anfänglichen polnischen Hip-Hop-Acts waren zugegeben etwas nervig, weil lediglich der Beat und, aufgrund der kleinen Sprachbarriere, nicht der Text einen Sinn ergab. Im weiteren Verlauf wurde umgestellt auf Drum and Bass feinster Machart präsentiert durch erlesenste MC’s, bei welchen sich nunmehr auch gerechtfertigt Frauen am Mikrophon zeigten.

Leider war dann der Weg zum leeren Schwimmbad auch schon notwendig, da bereits gegen 6.30 Uhr die Veranstaltung dem Ende neigte (kein Problem, wenn man bereits 20.00 Uhr anfängt, wie ein Großteil der Besucher). Gewohnt schroff ging es hier bis zum Ende weiter.

Ähnlich wie der Freitag gestaltete sich der Samstag. Leider gab es hier einige Wermutstropfen. Karl O’Connor aka Regis erschien als einer der Headliner nicht. Zudem überzog eine feuchte Kälte die Nacht, welche sich jedoch lediglich mit Nebel und nicht mit Regen begnügte. Absolut distorted kam dann auch Christian Vogel drein, welcher ungehörte englische Extreme nahe zum Industrial mit einer zunächst etwas lustlos scheinenden Miene spielte und eindrucksvoll zeigte, dass Härte summiert mit 4/4-Takt nicht im leidigen Schranz enden muss.

Unterstützt von Daho vs. Ginger on 4 Decks, Female live, Function, Smaf u.a. bildete Herr Vogel die, wenngleich auch etwas schwer zu verdauende, musikalische Rosine des abends, so dass die Rückkehr in unsere schöne Pension „Helena“ bei soviel Musik ala Downwards Rec., User rec. und Tresor Rec. und etlichem anderem englischen Sound, durchaus schwer fiel.

Im Fazit bleibt zu nennen, dass sich eine Reise zu tschechischen Events grundsätzlich immer lohnt, um Techno bzw. generell elektronische Musik, sowie Open Air’s des Jahrens 2002 anders als aus deutscher „Partysicht“ betrachten zu können, neue Eindrücke zu gewinnen und somit das Feiern auch neu schätzen zu lernen.

Words & Pix bei Sandrolowakje und Carstowicze


Autor: Carsten
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