DJ Kiss «From A Distance»

Einer der Stamm-DJs des Leipziger Nachtcafés ist DJ Kiss. Seine Sets waren immer etwas anders. Mit schlafwandlerischer Sicherheit balanciert er gekonnt auf dem schmalen Seil zwischen Kunst und Kommerz und verliert nie das Publikum aus den Augen. Nach gut 20 Jahren tauschte er nun den Platz hinter den Plattenspielern mit dem des Produzentenstuhls und veröffentlicht ein gar sonderbar anderes Afterhour-Album, das man so von ihm nicht erwartet hat.

Die Tracks wurden mit einem simplen und gerade deswegen so effizientem Rezept gebraut, wie man es eigentlich nur Kiss zutrauen kann. Kein ElectroHouse, kein Minimalhouse, kein Trance, kein Techhouse, kein Disco, sondern alles gemeinsam so perfekt miteinander verknetet, dass man glaubt, sich verhört zu haben. Zweiter Bonuspunkt ist die Geschwindigkeit der zwölf Stücke desAlbums, denn trotz ihres electroiden Charakters dreschen sie nicht Rekordebrechend auf den Hörer hinab, sondern bleiben eher gediegen.

Auf diesen Grundrhythmus schrauben sich gehallte Melodien, sanfte Strings und discoähnliche Chords. Auch alles wieder sehr dezen. Und ehe man auf den abwegigen Gedanken kommen kann, hier eine lahme Tranceproduktion vor Ohren zu haben, setzt eine Art Indianergesang ein, der ebenso aus Michael Cretus späteren Veröffentlichungen entsprungen sein könnte.

An der Art und Weise, wie das Album produziert wurde und wie es sich zusammensetzt, krankt es gleichermaßen auch. So gut, wie diese Mischung sich beim ersten Hören auch anfühlt, so matt wird sie mit der Zeit des Anhörens. Die Tracks klingen ähnlich, beginnen teilweise mit identischen Sounds und nutzen immer wieder diese Gesänge. Das mag Kiss‘ Spirit sein, für den Hörer wirkt es mit eher banal. Eine EP hätte gereicht. Das funktionale «The Prayer» und der ruhige Poptrack «From A Distance» wuchten das Album aber noch auf vier Sterne.

[xrr rating=4/5]


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Foto: via MySpace
Autor: Daniel
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