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Seit einigen Monaten geistert ein Name durch die Köpfe sächsischer Vinylliebhaber. Platten pressen war nie so einfach, geringe Stückzahlen nie so schnell und kostengünsig zu haben. Die Rede ist von dem in Dresden ansässigen Vinyl-Cutting-Service „Schnittecht“, welcher von André Gyöngyösi und Heiko Günther betrieben wird.

Das Ende 2004 gestartete „Schnittecht“ ist kein Novum, füllt aber in der Region trotzdem eine große Lücke, was an den akzeptablen Preisen, der Qualität und nicht zuletzt an der kurzen Zeitspanne liegt, die zwischen Auftragsauslösung und Lieferung der Ware liegt. Die Stückzahlen sind frei wählbar, wobei ab einer Anzahl von 20 Stück eine Serienpressung empfohlen ist.

Technisch verwendet Schnittecht eine deutsche Weiterentwicklung der alten Neumann Lack-Dubplate-Cutter, von der es momentan weltweit erst einige wenige gibt. Diese weiterentwickelte Maschine ermöglicht es, mit einem echten Diamanten sehr tiefe Stereo-Rillen in Vinylschallplatten zu schneiden, der ursprüngliche Klang der Musik bleibt dabei voll erhalten. Geschnitten wird auf  echte, qualitativ hochwertige und langlebige Vinyl-Schallplatten, keine Lack-Dubplates bzw. Acetate wie bisher in der Dubplate-Szene üblich. In der Praxis erhält man somit ein mittelschweres, sehr festes und wenig elastische Endprodukt.

Natürlich bietet Schnittecht noch mehr. Neben Gags, wie zum Beispiel inversiv laufende Schallplatten (Rille von innen nach außen), werden auch „ernste“ Sachen wie 14Inch Mutterplatten angeboten, die für eine große Vinyl-Auflage in Presswerken benötigt werden. Auch niedrig kodierte MP3s können soweit bearbeitet werden, dass ein vernünftiges Endprodukt herauskommt. Restauration von alten Platten oder Tonbändern ist ebenso im Portfolio des Dresdener Unternehmens zu finden.

Natürlich haben wir bei ae-pool.de auch mal eine Testplatte pressen lassen, die als Geschenk diente. Als Original-Datei lieferten wir ein mit 320kbits kodiertes MP3 in echtem Stereo (kein Joint), was eine höhere Qualität aufwies als ein Mitschnitt von der Originalplatte (kein Kratzen, kein Klangverlust ab der Mitte des Tracks, wie mechanisch bei Vinyls üblich). Grundlage war eine sehr soundbeladene und fülltige House-Platte mit tiefer Bassline, feinen Hats und schwankender Mittenauslastung, ideal also für einen Test. Weiterhin sind bei Anlieferung der Tracks auch AIFF, WAV oder direkte Audio-CDs als Vorlage möglich.

Nach nur drei Tagen hielten wir die fertige Vinyl in den Händen. Die Verarbeitung erweist sich als sehr gut, auch der Sound konnte überzeugen und schnitt auch im direkten Vergleich mit dem Original sehr gut ab. Der Test lief auf mehreren Club-PAs, sowie auf heimschen Anlagen und mittels Kopfhörer. Die Vinyl ist beim „Beschenkten“ mittlerweile knapp drei Monate im Einsatz und zeigt bis auf die üblichen Gebrauchsspuren keine sicht- oder hörbaren Verschleißerscheinungen.

Als kleiner Tipp am Rande, den erfahrene Hasen sicherlich sowieso kennen, aber für Unbedarfte nützlich sein dürfte. So verlockend es auch ist, auf einer Vinyl bei 33RPM so viel Stücke wie möglich unterzubringen, tut das dem Klang generell nicht gut. Wir empfehlen einen maximal 6 Minuten Track pro Seite bei 45RPM. Die Rillen können breiter geschnitten werden und mehr auslaufen, was der Nadel beim „Lesen“ der Sounds mehr Spielraum bietet. Die Platte klingt kräftiger, saftiger und lauter.

 >>> schnittecht.de


Autor: Daniel
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