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Friedlicher Protest bis hin zum Krawall, gepaart mit Kultur. Die Bunte Republik Neustadt übernahm wie jedes Jahr im Juni wieder die Regierung. Gleichgesinnte, Streitsucher, aber auch Musikliebhaber finden sich an diesem Wochenende im Schmelztiegel-Stadtteil von Dresden ein. Wer noch nie auf der BRN war, den erschlagen die ersten Eindrücke:

Menschenmassen, die sich durch die teilweise engen, und durch Stände noch mehr beengten, Gassen drücken, Kulturschocks an an jeder Ecke, „Grenzüberwachung“ an den Außenpunkten der Bunten Republik.

Meine Route führte mich zuerst zum Club der Republik – ETUI meets SCEPA. Sven SX (Bitchbrothers) und Insect O. (Etui Records) verwöhnten die Ohren der Vorbeiziehenden und Hängengebliebenen.

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Auch an der Station der MK Ultra Soundsystems machte ich Halt. Hier gab es die krasseren Töne auf die Ohren – Breackcore, Noise-Experimente, Haudrauf-Geschrabbel. Ausrastende Feierwütige vor den Boxen, abdrehende ashtar DXD (Maschinentod) bei ihrem Liveact, abgestoßen sich schüttelnde Köpfe der Passanten, die mit dieser Art von Musik (oder in ihren Augen Krach) nichts anfangen können.

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Doch auch darum geht es bei der BRN – Toleranz!
Und es gab ja auch Schlagerecken… von daher:
Jedem das Seine!
Und mir… das Meiste?
Dann dann weiter!
Bloß nichts verpassen! Unstet wie dieser wohl am meisten unstete Stadtteil von Dresden.

Nächste Station Showbarr. Wieder bekannte Gesichter und vertraute Töne. Dusk (Intensivcrew) ließ hier das Tanzvolk feiern.

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Auch die netten und doch bestimmten Aufforderungen der werten Herren in Grün konnten ihn nicht aus der Ruhe bringen. Doch irgendwann ist auch die längste letzte Platte einmal am Ende ihrer Rille angelangt, und so hieß es Sachenpacken und Umsetzen von der Showbarr zur entsprechenden -boxx.

Wenn es schon mal heißt „Kosi comes Around“, da wär es ja Frevel, nicht hinzufahren! Die Gelegenheit, den Hamburgexport einmal in Dresden anzutreffen, ist selten und das innere Bestreben groß, den Kerl mal leibhaftig zu sehen, um das gebildete Bild bestätigen zu können oder berichtigen zu müssen.

Die Ankunft am City Beach stimmte nachdenklich… Sonst gewohnte Automassen wurden vermisst. Das hatte erheblichen Einfluss auf die Missstimmung einiger Mitreisender. Also trennte sich die Spreu vom Weizen und machte sich auf gen Heimat. Noch mehr Kultur nach dieser Übersättigung in der Neustadt, das ist nicht für Jeden was.

Einige bekannte Gesichter fanden sich dann aber schnell. Die Showboxx war nicht überfüllt, aber auch nicht so leer gefegt, wie es von Außen vielleicht den Anschein hatte. Die Musik, die Goncalo zur Zeit unseres Eintreffens bot, war auf Anhieb sympathisch, neue akustische Eindrücke, frischer, vorwärts treibender, basslastiger Elektrowind.

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Mit der Übernahme durch DJ Koze kam es zu einem leichten Stilbruch. Der Sound würde minimalistischer, nahm gar schon Anwandlungen von Ambient an, was der Stimmung aber keinen Abbruch tat. Spätestens jetzt wurde es mir auf der Tanzfläche aber dann doch zu viel… zu voll… zu wenig Platz, um mich denKlängen ehrwürdig hingeben zu können. Dazu ein subtropisches Klima, was Unbehagen aufkommen ließ. Da lob ich mir aber die Showboxx und den City Beach! Denn Flucht- und Frischluftmöglichkeiten sind derer viele, ob nun Terrasse oder Strand, ein großer Pluspunkt!

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Genug frische Luft geschnappt, noch einmal Sauerstoff nachladen und wieder rein ins Dampfbad! Über den exzessiven Einsatz der Nebelmaschine könnt ich mich jedes Mal aufregen. Klar – die Rauchwand ermutigt den einen oder anderen etwas mehr gehemmten Gast der Tanzveranstaltung zum Gehenlassen, das ist Psychologie, das ist erwiesen. Ich find’s aber dennoch kontraproduktiv, feier gern MIT den Gleichgesinnten, als GEGEN ne Nebelwand ankämpfen zu müssen.

Aber dafür kann die Musik ja nichts! Und die wurde schnell bewegter, die Leute feierten, Pfiffe und Schreie der Freude und Begeisterung erweiterten die Soundkulisse. Scheinbar alles richtig gemacht, Herr Kozalla! Stimmungsbogen passte, der Herr ging mit der Musik mit, klatschte in die Hände, hatte Spaß! Und das übertrug sich natürlich auch auf die anderen Anwesenden. Zeitweise fand ich es jedoch schon etwas monoton… aber ich bin eh ein schwer zu befriedigender Musikliebhaber. Gefreut hat es mich, als Goncalo unserer Aufforderung nachkam und sich mit auf die Tanzfläche traute, sehr angenehmer Zeitgenosse!

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Und nachdem er sich warmgetanzt hatte, übernahm er noch einmal die Regler. Nur sehr langsam leerte sich die Showboxx, ans Heimgehen dachten die wenigsten. Stattdessen genossen die ausgefeierten Gäste den herrlichen Sonntagmorgen und setzten sich in die strahlende Sonne.
Welch wunderbarer Start in den Tag!
Musik im Ohr – Sonne im Gesicht – Glück im Herzen!
Alltag, leck mich!
Kriegst mich schon früh genug wieder…

Bei diesem Text handelt es sich um einen ausdrücklich subjektiven Rückblick von k/Anne.

>>> brn-dresden.de
>>> bitchbrothers.com
>>> etui-records.de

>>> maschinentod.de
>>> intensivcrew.de
>>> djkoze.de
>>> djgoncalo.com


Autor: Anne
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