Seit heute auf der Strasse: Unisex, der neue Langspielkracher von Northern Lite. Versehen mit einem dicken Promotionpaket schickt Universal den Nachfolger von TEMPER am 01.09. an den Start. Mit exklusiv schickem Bemusterungsexemplar, diversen Auftritten im Vorfeld der Veröffentlichung, zeitgenauer Platzierung in fast allen wichtigen Musikmagazinen und einer Record-Release-Party in Berlin die „ziemlich derbe VIP“ war, solls für Northern Lite nur eine Richtung geben: nach vorn, mit Schwung. Da heißt es aufpassen, nicht blenden lassen und auf den Kern der Sache achten, und dass muss und kann nur die Musik sein:

Und was eben die Musik angeht, kann man ja von Northern Lite vieles sagen, aber man wird anerkennen müssen, dass sie sich ihren eigenen Stil erspielt haben. Bei den meisten Stücken erkennt man spätestens an der charismatischen Gesangsstimme, wer da Musik macht. Das ist zwar schön, birgt aber die Gefahr des Verbleibens in eingefahrenen Spuren, der beständigen Wiederholung erfolgreicher Konzepte, oder wie Herr Bohlen mal gesagt haben soll: „Never change a winning tune“

Das neue Album schafft es nicht immer, dieser Gefahr zu entgehen. Gewohnt klingender Elektro-PopRock mit Texten aus dem Liebe – Drogen – Party – Kontinuum ist nach wie vor Programm bei den 3 Erfurtern. Manches Gitarren-Riff klingt bekannt, aber das war ja schon bei GO WITH THE FLOW und anderen Hits ähnlich. Über die volle Länge der CD fehlt dann aber doch der geniale Funke, der das Interesse wach hält, der einzelne Tracks ins Gedächtnis gehen lässt und der 60 Minuten Musik zu einem Erlebnis werden lassen kann.

Dabei wirkt alles gut produziert und konzipiert, rezensiert und durchtrainiert, aber genau das ist’s auch, was nicht gut passt. UNISEX ist eine Platte mit (Musik-)Industrie im Hintergrund, das merkt man von der Promo bis zum Sound. Die Tracks nie zu derbe, die Riffs nie zu dreckig, der Sound ist spitze, Ecken und Kanten sind praktisch nicht vorhanden. Vorteil: man kann sich nicht dran stoßen. Nachteil: eine glatte, durchgestylte Platte, die von Auftreten und Anspruch aber derbe sein will.

Auch  textlich geht’s irgendwann nicht mehr klar: „hei hei hei, I can’t stay…“ oder „and we dance (9x) and we’re shaking our bones in a trance – and we dance (9x) and the drumbeat never ends…“ haben den Charme textlicher Gehversuche in Klasse 7, als man eben noch nicht so viele englische Vokabeln kannte, aber seine frühen Dance-Musik-Impressionen irgendwie ausdrücken wollte. Wäre die Musik spannender, hätte keiner so genau auf den Text geachtet, aber so ….

Anders sieht’s zugegebenermaßen aus, wenn Northern Lite live auf der Bühne spielen, denn da wo Rock herkommt und hingehört, da können auch die Neo-Pop-Rock-Aktivisten (hat „NeoPop“ damals eigentlich die Wahl zum Unwort des Jahres 2005 gewonnen?) ihre Stärken ausspielen. Lebendig und Laut schaffen es Northern Lite dort unbestritten, die Massen zu bewegen.

Fazit: Konzert und Festival = Ja, gerne.
Album auf CD = Für Fans.

>>> northernlite.de 


Autor: Carsten
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