Johnny Cash Remixed

Platten an denen sich die Geister scheiden sind immer die besten. Entweder man mag sie oder man mag sie nicht. Kein Raum für Grau. Das Remix-Album des Ausnahme- und Kult-Künstlers Johnny Cash ist eines davon. Und wenn man sich so die einschlägigen Foren, Blogs und Musikportale betrachtet, in denen Stürme der Entrüstung toben, zweifelt man wirklich an seinem eigenen Geschmack.

Das im Januar auf Doppel-Vinyl und CD (und Deluxe-Edition) erschienene Album wurde von den Nachkommen des 2003 verstorbenen Künstlers initiiert. Genügend Segen also, um die einzigartige Stimme Cash‘ über (oder unter?) neue Beats zu legen. Das ist letztendlich mit großem Respekt geschehen und jeder der remixenden Künstler war hin- und hergerissen zwischen Achtung gegenüber des Urhebers und dem Drang, seine Stücke in ganz anderem Kontext erscheinen zu lassen.

So kam es wie es kommen musste. Bis auf einige Ausnahmen wurden nur Wortgruppen oder Sprachfetzen der Originale übernommen. Sample-Musik also, die dennoch dank der einzigartigen Rhythmik Johnny Cash‘ Stimme beinahe zu jedem Beat passt. Das ist auch schon der größte Aufreger. «Uh. Ähh. Üh. Johnny Cash verwurstet und seine Songs verhunepiepelt», so der einstimmige Tenor, der ausschließlich von Cash-Liebhabern der alten Schule zu stammen scheint. Kindergarten.

Hört man sich die Tracks nämlich unvoreingenommen an, ergänzen sich die Arrangements und Sounds der frischen Künstler ideal mit den klassischen aber in die Jahre gekommenen Cash-Gesängen. Das Album ist ein Modernes geworden und das Ältere nicht viel damit anfangen können, ist durchaus nachvollziehbar. Diese sind jedoch nicht Ziel der Remix-Aktion. Das sind andere. Leute die Cash nicht kennen und sich so, wenn auch nur dem Groove wegen mit seinen Songs auseinandersetzen.

Die stilistische Bandbreiste ist enorm. Schon die Namen Snoop Dogg, Pete Rock, Apparat (!) oder Troublemaker belegen das. Für mich eines der Alben des Jahres, das sich nicht einfach respektlos an Cash-Werken bedient, sondern durch coole moderne und frische Sounds ins 21. Jahrhundert mitgenommen hat.


Autor: Daniel
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