Boys Noize «Power»

Man kennt das. Zuerst kommt eine Soundstruktur im Underground an. Wird dort von kleinen Gruppen zelebriert, gefeiert und achtsam vor dem Ausverkauf geschützt, denn damit wäre das elitäre Soundhören vorbei. Jetzt sind es die Retrosounds. Pünktlich zu dem Zeitpunkt, an dem man sie eventuell doch satt haben könnte: 8-Bit-Klänge, Robo-Stimmen und elektroide Synthflächen. Ach. Acidlines nicht zu vergessen. Nicht die blubbrigen, die coolen. Nein, die pfeifenden und zwitschernden.

Genau so macht es Boys Noize auf seinem nächste Woche erscheinenden Album «Power». Der Name dürfte Begriff genug sein. Auch der Sound; denn das Sägige ist geblieben. Neo-Elektro-Borschtsch. Wobei die Tracks allesamt noch gut beginnen. Bestes Beispiel ist «Nerve». Ein grooviges Funkmonster vor dem Herren. Dennoch muss es wieder sägen zwischendurch und alles mit dem Arsch einreißen, was es vorn aufgebaut hatte.

Auch die anderen Tracks. Da werden wieder mit der Schubkarre Sound um Sound verbaut, bis sich die Spuren unter der Masse der Klänge biegen. Schade eigentlich. Die Ansätze sind vielversprechend und trotz ausgeleiertem C64-Sound, Robo-Stimmen und Melodien, die direkt aus dem Abspann eines Amiga-Games entsprungen sein könnten (generell hört sich das Album an, als wenn es mit Software wie Soundtracker oder Octamed von eben diesem Computer zusammengesteckt worden ist), ist ein Stück Klasse zu erkennen. «Heart Attack» ist weicher Sound. Ruhig. Schön. Eigentlich das einzige hörenswerte Stück auf dem Album.

Schon «Starter» ist wieder so himmelschreiend dominant, mit Stakkato-Sounds gespickt und kräuselig an den Nerven reißender und vertrockneter Sägegeschwurbel und steht da stellvertretend für die anderen Tracks auf «Power». Wobei ich als löbliche Ausnahme «Nott» eine gewisse Tanzflächenkompatibilität nicht abstreiten kann: wuchtig und anständige Acidline. Aber irgendwie gab’s das doch auch schon wieder alles, Leute…

>>> boysnoize.com


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Autor: Daniel
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