Zum 11. Mal gezwitschert – Nachtdigital 2008

Mittwoch, 6. August 2008 08:22 Uhr
Beitrag in Partyreview von Clemens 1.205

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Noch ein bißchen angekotzt waren wir, als wir das Waldstückchen vor Olganitz durchfuhren. Es ist Freitag, der erste Tag im August, 17Uhr. Drei Stunden Stau und Regen haben wir hinter uns gelassen – in Hoffnung, dass alles gut wird.

Gepäck gewuchtet, Auto zugeschlossen, vor zur Kasse. Problemlos und nett – wie jedes Jahr der selbe Einlassmann – als ob man vorgestern erst hier war.

Sie zwitschert nun wieder, die Nachtdigital. Das Areal wie gewohnt. Man fühlt sich irgendwie zu Hause. Alles wie immer. Gut, das Gesamtbild der DJ-Empore noch perfekter, die Deko nun auch mit Hasen und Rehen, ein offensichtliches Mädchenprojekt und dieses mal ein schwarzes Festivalbändchen – alles jedoch keine Revolution.

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Zeltaufbaustress schnell kompensiert mit Klappstuhl auspacken und dem sich anhäufendem Gewusel zu schauen.

Verrückte gibt’s halt immer wieder. Letztes Jahr war es der Kartonmann, dieses Jahr das „Rettichherrchen“ – ein Mann, eine Hundeleine und sein Rettich – Gassiambiente für Vegetarier. Dicht gefolgt war dieser junge Herr vom „Prinzen“ und dem „rosa Tiger“.

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Naja, soll einem auch egal sein, die Freiheit siegt! Nach dem Soundcheck am Freitag Nachmittag, nun gegen Abend die ersten Töne. Anlage wuchtig!

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Minimal / Deephouse – Musik / Geräuschekombinationen mit elektronischen Hilfsmitteln und Plattenspielern. Keine andere Musik ist so von der Aura des DJs abhängig. Klar, Frequenzen gibt es viele, doch Kopfniggen kann man fast immer dazu. So gibt es bei dieser Musik keine Verlierer – die Masse brauch einfach nur einen Beat und einen Aktionskünstler als DJ um sich zu bewegen und gute Stimmung zu erzeugen. Bass raus und wieder rein – schon jubeln die Konsumenten.

Ein Dvo?ak oder Musorgski würden sich im Grab umdrehen, wenn sie das hören würden – denn kompliziert und besonders anspruchsvoll ist unsere Musik wirklich nicht – muss sie auch nicht – sie muss nur pausenlos voranschreiten – Set nennt man das. So kann man schnell die Zeit vergessen und los lassen von all den Sorgen außerhalb von Olganitz – Überdeckungsschall – vielleicht der Grund, warum die Vorverkaufskarten alle ausverkauft waren.

Mit der Erkenntnis endlich auch geistig angekommen, fangen wir an zu protestieren – gegen die Zeit.

Das Krause Duo startete tadellos. Wie vorm Bananenstand vor 30 Jahren waren alle schon ganz hibbelig darauf die ersten Brocken vor zu kosten, wie es denn wieder 2 Tage lang sein wird – hoffentlich wie immer. In die Nacht hinein und wieder hinaus. Beat, eine rockende Crowd.

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Alle DJs auf irgendeine Weise interessant. Staubige Füße Beweis genug. Trotzdem war es offensichtlich: desto älter/grauer der Musiker, umso mehr Publikum und bessere Stimmung war vor Ort – Auraphänomen und der Frieden sich damit abgefunden zu haben auch übrigens anwesend.

Die Hygiene war wieder mal festivallike. Ein gefühlter Tick besser wie letztes Jahr. Trotzdem könnten bei 3000 kackenden Menschen im 6Stundenintervall eine engagierte Reinemachfrau durch die TOIS gehen – unmenschlich, aber notwendig.

Die fleißigen Jungs der ortsansässigen jungen Jugend sammelten am Tag dann auch den Müll – eine gelungene Maßnahme nicht ganz im Müll zu versinken, Klasse Jungs!

Optisch macht Müll eben nicht viel her. Die Deko dagegen eher. Dem Dekoteam konnte man sogar am Samstag zu schauen, wie es gemacht wird – filigrane Striche, realitätsfern progressiv, konträre Farben – Nachtdigitals corporate Design – ein Kapitel elektronischer Ästhetik. Deko-Kunstobjekte, fast wie zu einer Ausstellung, waren verteilt auf dem gesamten Gelande. Licht ergänzte diese in der Nacht, oder vervollständigte sie sogar oft.

Im Zelt gingen durch die LED-Strahler die rar gewordenen Dekodeteils an der Decke ein bißchen unter, Schade! Auch jeder Pommesstreifen ging relativ schwer runter, wenn man bedenkt, dass man stolze 2,50 Euro pro Minipappe gelegt hat. Früher waren das mal fünf DM, ganz früher zehn Ostmark!

Die Preise der Cocktails waren heftig: Sieben Euro teilweise für einen 0,3er Becher, wovon ca. 20% Alkohol, 20% Sirup und Fruchtsaft und 60% Eiswürfel waren. Naja, man musste ja nichts kaufen und so versorgten sich die meisten selber auf dem Campinggelände.

Persönlicher Wunsch: nächstes Mal eine Dönerbude! (-;

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So verfloss die Zeit und schon war es Sonntag Nachmittag. DJ-Marathon, Fünf-Stunden-Sets und Ganztags-Dancewalker. Shishas, Wodka und Sand am Teich. Baden, duschen und schminken. Tiefen, Mitten und Höhen – und dabei schlugen unzählige Beats ins Land ein. So wie immer eigentlich ein mal im Jahr, oder besser: einfach schön wie immer.

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Ein Kommentar

  1. Daniel schrieb:

    So Clemens. Ich habe Dein langes Review mal auf drei Seiten gesplittet.

    Donnerstag, 7. August 2008 | 12:53


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