Sputnik Turntabledays Halle 2007 – Der Sonntag

Dienstag, 29. Mai 2007 13:16 Uhr
Beitrag in Partyreview von Robert 212

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Am Sonntag morgen war eigentlich die Abreise geplant, aber keiner hatte Lust zu packen. Außerdem waren die musikalischen Highlights erst am Sonntagabend zugange und so blieben wir doch noch da. Tagsüber das Übliche: Schlechte Musik allenthalben, kompliziertes Grillen und durchwachsenes Wetter.

Mit einer gehörigen Portion Sarkasmus und übermütigen Blödsinns haben wir den Tag dann doch mit viel Lachen überstanden und sind abends pünktlich halb 9 aufs Festivalgelände gesteuert. Open Air gab es hier Sonic Boom Foundation, Mediengruppe Telekomander, The Goos und Polarkreis 18. Leider alle nur als Minikonzerte mit 4-5 Titeln, da es vorher technische Probleme gab und die Bühne aus Lärmschutzgründen nur bis Mitternacht Musik machen durfte. Die ersten drei Formationen allesamt mit einer Mischung aus Punk, Rock und Electro und jede auf ihre eigene Art spannend und energiegeladen. Auf jeden Fall Musik zum Feiern und das taten auch schon reichlich Leute. Polarkreis 18 mit etwas ruhigerer und eingängiger Musik. Dennoch auch live ein Ohr Wert! Während des Bühnenumbaus zwischen den einzelnen Bands gab es schön flächige Platten von Agent Twist zu hören. Zu erwähnen, weil seine Platten mehr Soul hatten, als die meisten anderen, die so zu hören waren.

Für diesen Abend waren im DiscoHouse Zelt Disco Dice angesagt. Das ist schon peinlich. Vor der Open-Air Bühne bekammen wir dann aber mit, dass dies noch steigerungsfähig ist: Ein Typ im „I love Disco Dice“ Shirt zwang uns zu ungläubigem Kopfschütteln. Aber Oberpeinlich war ein Typ, der als Disco Dice Double den großen Macker mimte und sich ständig mit Leuten fotografieren ließ. Oh mein Gott!

Draußen war Schluß und der interessante Floor für diesen Abend noch nicht offen. Also ein kurzer Ausflug in eines der beiden anderen Zelte. Die Brothers Incognito waren gerade fertig und Boris Dlugosch fing an. Electro-House ohne jedes Herzblut, außerdem war es höllisch voll und heiß.

Nichts wie raus und in das mäßig gefüllte und angenehm kühle Zelt Drei. Hier fingen Gus Gus mit einem DJ-Set an, dass wir als Einstieg in den Abend nutzen wollten und das für mich zum Highlight des Festival – ja des bisherigen Partyjahres – wurde. Ich bekomme beim Schreiben noch eine Gänsehaut… Technoide Klänge um die 125 bpm. Sehr rudimänter und reduziert, aber dennoch alles andere als in Genre Minimal passend. Jedes neue Element, jede Hihat, jedes Sample waren klar zu hören und gingen nicht in Geklacker unter.

Die drei Tracks mit Gesang waren im Set punktgenau platziert, ebenso einige wenige House-Samples und ausgeladene Flächen. Der Setaufbau wie fürs Lehrbuch: immer wieder wurde die Energie heruntergefahren und mit ruhigen, verträumten, nordisch-melancholischen Platten eine schöne Atmosphäre geschaffen, nur um dann mit einer genialen Hook oder einer sich immer weiter aufbauenden Platte loszuschieben. Obwohl ich in der dritten Festivalnacht fix und fertig war, musste ich die zweieinhalb Stunden durchtanzen.

Als nächster war Erobique mit einem Live-Set dran. Eine One-Man-Show mit analogen Geräte sieht man ja auch nicht mehr so häufig. Und so eine sicherlich auch nicht. Erst macht er einen fließenden Übergang von Gus Gus´ DJ-Set zum Live Set, indem er auf seinem Keyboard die Melodie aus dem Gus Gus-Track David über die letze Platte spielt. Nur um dann die Musik völlig auszumachen und seine Gäste zu begrüßen.

Das ganze mit der Aufforderung, doch bitte in die zwei anderen Zelte zu gehen (Disco Dice und Play Paul), wenn man kreischen, schreien oder posen will. Dann wieder mit dem Gusgus-Thema weiter, diesmal geloopt und langsam ging es weiter in seinem Set. Genialer treibender House vom allerfeinsten. Viele Chords, einige Gesangsamples und immer wieder Improvisationen auf dem Keybord. Bass raus und wieder rein. Es funktionierte wunderbar. DER Act für die Primetime.

Für Sascha Funke und Lars-Christian Müller hat es leider nicht mehr gereicht. Fix und fertig ging es ab in den Schlafsack und es gab endlich mal wieder etwas längeren Schlaf – trotz des weiteren Gegröhles und Jahrmarktstechnos unserer Nachbarn.

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