Es ist der 24.12. – a.k.a. „Weihnachten“ haha – und nach Kirche (jaha!) und Geschenkeüberreichung ist’s mittlerweile kurz vor Mitternacht. Geschafft. Die eigenen Präsente gut verteilt, was sinnvolles im Tausch dagegen erhalten, Familienfrieden und Besinnung stimmungsvoll genossen, Tagessoll erfüllt.

Und was nu? Am Freitag schwirrte ein Tipp durch den Raum, der aus gutem Grund von Mund zu Mund verteilt wurde und keinen eigenen Flyer hatte. Irgendwo in Bautzen, und mit D. S. aus der T.-Clique. Die Location lass ich jetzt hier mal weg, wegen Anmeldung und so. Ui Ui Ui…dass es so was noch (oder wieder?) gibt, und dann noch in Bautzen. Wir waren gespannt.

Gegen eins wird das Mobil angelassen, die Heizung tourt langsam hoch, der Motor auch, Sportzigarette glimmt im Fahrwind und die Reise beginnt. Na, ne richtige Reise ist es nicht, nach Bautzen sind’s vielleicht 5 Kilometer. Grade genug Zeit für Markus Langes neue EP „Pai Lung“, die hat nämlich bloß 3 Tracks. Wie praktisch.

Markus Lange hatten wir hier mit seiner letzten „Whirlpoolsex“-Veröffentlichung schon mal vorgestellt und ich glaube er hatte damals sogar nen Kommentar dagelassen. Is ja auch egal, jedenfalls war die damals gut gewesen. Die neue Scheibe „Pai Lung“ bezieht sich hintergründig auf fernöstliche Mythologie, nämlich den Drachen mit selbem Namen, aber ich glaube in Wirklichkeit ist’s nur ein kleiner Wortwitz … Pai Lung … Pei Lung … PeiLung … Peilung, vastehste?

Na wie dem auch sei, jedenfalls ist das Vinyl wieder sehr hübsch geworden und hat, ich glaube ich sagte das schon mal, drei Tracks: das Original, einen Oliver Koletzki Remix und eine Voltique Mix. Der Originaltrack gibt vor, was die beiden Mixe gekonnt aufnehmen: ein guter Housebeat, energisch, ordentliches Tempo, zum Autofahren gut geeignet ;-) Zum Tanzen aber auch. Den Kick des Tracks macht die im Hintergrund stetig lauernde Bassline aus, die nicht neu klingt, aber ihre Wirkung erzielt. Solide.

Oliver Koletzki gibt der Maschine dann mehr Dampf und er wird dem Potential des Sound damit auch gerecht. Sein Mix hat mehr Druck und kommt auf dem Dancefloor sicher noch mal ne Nummer schärfer rüber als das Original. Zwar entfernt er sich von dem nicht weit, aber mit Musik ist’s manchmal wie beim Kochen … wer ein feines Händchen hat, der kann durch minimale Veränderung der Zutaten enormes erreichen. Hier schafft Koletzki auf jeden Fall noch mal eine Steigerung des ohnehin schon kickenden Tracks. Mein Favorit.

Das dritte Stück ist der Voltique Remix. Der lässt sich erstmal ein bisschen Zeit, klöppelt im Intro ein bisschen zu viel für meinen Geschmack und klingt dann elektronischer als die anderen beiden, bremst aber über die gesamte Länge das Temperament von „Pai Lung“ zu stark aus und kann von daher nicht so recht überzeugen.

Wie’s der Zufall will landen wir direkt nach dem letzten Track vorm Club des Abends und freuen uns über gutes Timing. Mittlerweile ist es fast halb 2 und alle anderen sind schon da. Wir fahren noch über einige holperige Bodenplatten und parken dann im seichten Nieselregen direkt neben der vibrierenden Eingangstür. Drinnen eine feine Überraschung: Eintritt frei, keine Ordner, keine „Flaschen draußen lassen“-Schilder, einfach reingehen und direkt auf dem Tanzfloor landen. Links das DJ-Pult, D. S. ist schon am Auflegen, die kleine Tanzfläche voll mit hüpfenden schreienden Leuten, dahinter irgendwo eine kleine Bar, der Raum in dezent rotem Licht, ne kleine Anlage drin, zwei Blinklichter, so einfach kann’s sein. Alles sehr sympathisch, viele bekannte Gesichter, Mundpropaganda fetzt. Die Musik: zackige Housebeats, abwechslungsreich und gut gemixt.

Wir nehmen einen kleinen Becher an der Bar, quatschen mit zwei, drei Leuten, schmieden Pläne und wippen zur Musik. Nach Tanzen ist mir heut nicht, anderen geht das anders, gut so. Die ausgelassen Meute hat „GUDE LAUNE!“ und feiert angemessen und auf eigene Art „besinnlich“. Der DJ hat Spaß beim Auflegen und spielt derbe gute Platten. Sehr fein. „Hat einer Mitschnitte?“

Zwischendurch mal an die Tanke, wegen Sachen kaufen und so. Ein ungezwungener Abend, genau wie’s sein soll. Später übernimmt dann Libell (glaub ich), ab da wird’s minimaler, unemotionaler, was in diesem Moment nicht so gut passt und wir denken übers Heimgehen nach. Auch muss sie sich arg auf’s Mixing konzentrieren, was nicht schlimm ist, aber die Verbindung zwischen DJ und Publikum war vorher stärker. Na gut, sagen wir uns, ist ja auch schon spät. Wir trinken noch aus, machen auf dem Weg zum Auto noch ein paar Pläne (weil „so kleine, privatere Partys sind echt ne Alternative“ – ihr kennt das) und schießen dann mit Koletzkis Pai Lung Remix über regennasse Landstraßen nach Hause.

Feines Fest dieses Jahr.


Autor: Carsten
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