Gut gerockt: Audio Invasion

Im Osten gebaute Stadthallen üben ja einen gewissen Reiz aus. So ließ eine Nutzung des Leipziger Gewandhauses für Partyzwecke nicht lange auf sich warten. 2008 war mit der Audio Invasion Debüt und 2009 fuhren wir mal hin, um uns das Ganze mal zu Gemüte zu führen. Kommt pünktlich, hieß es. Kurz nach 23 Uhr erschien uns eigentlich auch pünktlich genug, dachten wir. Aber auch alle anderen, und so stapelten sich die Leute vor dem Einlass-Bereich.

Dieser hatte keine getrennten Eingänge für Abendkasse, VVK, Gästeliste – wie bei schon fast jedem Mini-Event – sondern eine schmale Tür. Der Türsteher war sichtlich genervt. Noch mehr die Einlassmädels, die neben einem Gästelisten-Laptop noch zwei knapp einen Zentimeter starke Gästelisten-Stapel zu verwalten hatten.

Im Innenbereich dann Ratlosigkeit. Dazu muss man wissen, dass das Gewandhaus ein riesiger Komplex ist und schon in den für Normalsterbliche zugänglichen Bereiche konnte man sich schnell verlaufen. So irrten mehrere Leute durch das Foyer, treppauf, treppab, bis endlich ein paar Sicherheitsleute sich der Aufgabe annahmen, Teile des Foyers sperrten und den Irrenden zeigte, wo es denn nun in’s Laute geht.

Und denn endlich gefunden. Hier haben sich also die ganzen Leute versteckt… Während im unteren Bereich Lars-Christian Müller schon nach und nach Leute auf die Tanzfläche zog, sang im oberen Bereich Monotekktoni. Sie hätte lieber am Piano sitzenbleiben sollen. Ihre Livedarbietung war durchwachsen und nicht so das Gelbe vom Ei. Dementsprechend unruhig war es im Publikum.

audioinvasion2009_saal

Also an die Bar. Davon gab es ganze fünf in der Location. Zu wenig für die immense Größe der Veranstaltungsfläche. Dazu kaum beleuchtet und mit Personal ausgestattet, dass ein Valium-Dauerabo zu haben schien. Also stand man in Dreierreihe und bestellte gleich doppelt. Das war durchaus üblich, denn nochmal so lange Warten wollte wohl niemand mehr. Nach einer Monsterbestellung (wir hatten für ein paar Umstehende gleich mitbestellt) zogen wir schweißgebadet und mit warmen Getränken in den Chill.

Eigentlich war dieser eine dritte Tanzfläche. Die Musik war bombig und das Foyer dementsprechend auch gut gefüllt. Nur die Anlage wollte nicht so richtig, was sich aber später gab. Zu dem Zeitpunkt schlenderte Lars-Christian Müller durch das Foyer. Laut Plan also jetzt Johannes Heil im Clubfloor, konnte man da schlussfolgern. War er auch.

Das Tempo wurde angezogen, die Sounds knalliger und die Hütte so richtig voll. Zu gleißendem Strobolicht gab es eine in der Art eines DJ-Sets gehaltene Live-Darbietung, die nahtlos Track für Track aneineranderschmiegte. Heil wechselte hierbei kurvenreich von Auf-die-Mütze zu Erholung und wieder zurück zu knallendem Tanzstuff. Plus Überlänge, die dem folgenden DJ – Mr. Pornobalken Sascha Funke – und seine Groupies nicht so recht passte. Heil ließ dann doch ausklingen und Funke begann.

Sein Set war nicht ganz so energetisch und minimalistisch und pegelte sich dann an der Schmerzgrenze zu Electrohouse ein, wilderte aber größtenteils im Techhouse-Revier. Die zum Ende des Heil-Sets ausgedünnte Tanzfläche war nun wieder rappelvoll. Der Sound war wohl doch etwas massenkompatibler und nicht so derb, wie vom Vorgänger.

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Doch jetzt zu Bodi Bill. Während unten Johannes Heil rockte, waren sie es, die im Mendelsohn-Saal die Masse am Toben hielten. In zumeist gleichem Arrangement von langsamen Intro und schnellem wilden Hauptthema trieben sie sich selbst von einem Höhepunkt zu anderen und hatten zudem auch noch eine schicke minimalistische Videoanimation am Start. Wie immer großartig. Die Mischung aus Elektronik und herkömmlichen Rockelementen im LIVE-Betrieb scheint langsam immer mehr Standard zu werden.

Das Gedränge an den Theken entspannte sich langsam, selbst in der Spielpause. Und während Bonaparte sowieso. So sehr faszinierten sie. Wild, schräg und laut konnte man sich schon im Vornherein denken, aber die Show toppte alles bisher Dagewesene. Die Musik ist wilder Schrammelrock und Geschmackssache. Doch Bonapartes Herzstück sind die Animateure auf der Bühne. Vier Mann in den abstrusesten Kostümen benahmen sich mal so richtig ordentlich daneben. Ein Sinn war nicht zu erkennen, einfach wildes Blödgetue und Publikumsanimation, die aus Herumwälzen, gymnastischem Gehampel, Strip, Feuer und Geräkel bestand. Höhepunkt während der Zugabe: nackte Farbenklecksereien. Ich möchte da nicht die Bühne gereinigt haben. Insgesamt laut und crazy, aber dennoch vielen zu anstrengend, sodass spätestens zur Zugabe schon ein guter Schwung Leute den Saal verließ.

Selten erlebt man Künstler aus Club- und Bandkontext so geballt auf einer Party. Bei der Audio Invasion wurde da gut die Waage gehalten und damit eine lohnenswerte Veranstaltung im Leipziger Stadtzentrum gefestigt, die nach dem Auskurieren der Kinderkrankheiten an Einlass und Bar ein Ausgehtipp für die nächsten Jahre sein dürfte.

>>> Johannes Heil LIVE-Set Video
>>> Bodi Bill LIVE-Auftritt Video

>>> audio-invasion.de


Autor: Daniel
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