Fränkisch-Lausitzer Connection – Shandy in der Roten Bar Nürnberg

Freitag, 3. November 2006 10:59 Uhr
Beitrag in Partyreview von Robert 332

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Es gibt im Bereich elektronischer Musik Verbindungen zwischen Künstlern über weite Entfernungen und Genre-Grenzen hinweg. Über Jahre hinweg gepflegt, entwickeln sich Freundschaften. Musikalisch befruchtend sind solche Kontakte in andere Szenen letztlich immer. Und was im Großen zwischen Düsseldorf und Detroit oder Paris und Chicago funktioniert, gibt es auch im kleineren Maßstab zwischen der Lausitz und Franken. Bereits zweimal wurden die Nürnberger Magnet Club Rockers für House of Summer gebucht, um mit funkigen Breaks und Drum´n´Bass frischen Wind in die Lausitz zu bringen. Leider musste der Auftritt heuer kurzfristig abgesagt werden. Im Gegenzug reist das hiesige Urgestein elektronischer Tanzmusik Sir Shandy mox mox jährlich nach Nürnberg.

Dieses Wochenende war es wieder so weit und ich nahm das Angebot mitzufahren gern an.  Am Samstagmittag machten wir uns mit jeder Menge Plattenkoffern und einem kleinen Päckchen voller Ostwaren auf den Weg. Angekommen in Franken statteten wir dem Veranstalter Frank aka DJ Presure einen kurzen Besuch ab. Die mitgebrachte Vita-Cola wurde sogleich probiert und stieß auf eher bescheidene Begeisterung. Zu Recht!

Nunmehr zu dritt ging es
weiter in die Innenstadt, wo wir in einem wunderbar traditionell-konservativen Stammlokal der Nürnberger CSU typisch fränkische Küche speisten. Nirgends gibt es bessere Semmelknödel, als in Bayern!!!Da Kontraste etwas tolles sein können, ging es anschließend weiter gen Rote Bar – die frisch umgebauten Lokalität für diesen Abend. Mitten in Nürnberg gelegen, erstreckt sich die Bar über das Erdgeschoss mehrerer alter Häuser. Sehr verwinkelt – mit fast einem Dutzend Räumen. Der von DJs beschalte Bereich ist in sehr nüchternen Grautönen gehalten.

Es gibt einigen Nischen, Tische mit Stühlen, aber auch verschiedene niedrige Hocker und Tischchen. Dadurch behält man auch bei vollem Haus noch einen Überblick. An der langen Seite des Raumes befindet sich die ca. 10 Meter lange Bar. Der einzige Farbklecks und damit Blickfang im Raum ist die Barrückwand und der Bereich hinter dem DJ-Pult. Über die ganze Länge wurde jeweils eine hinterleuchtete Plexiglasscheibe angebracht. Bedruckt  ist diese Scheibe mit gelben chinesischen Motiven auf rotem Hintergrund. Aus der Nähe wirkt es kitschig. Doch schon aus 2 Meter Entfernung sieht es sehr schnieke aus!

Gegen 20 Uhr begann Shandy mit Lounge-tauglicher sanfter House-Musik. Die Bar füllte sich gut, ohne jedoch je aus allen Nähten zu platzen. Nach einer Stunde übernahm DJ Presure und präsentierte funky angehauchte Breaks. Tolle Musik, die man bei uns leider kaum hört. Nette Leute, interessante Gespräche, gute Drinks, passende Musik – was will man mehr? Später übernahm wieder Shandy und es ging auf eine weite Reise durch die große weite Welt der Housemusik und angrenzender Stile. Hörbare Tanzmusik; intelligent, fassettenreich, abwechslungsreich, von sehr alt bis sehr neu, von (endlich mal wieder interessanten) Bootlegs bis zu völlig unbekannten Raritäten.

Leider hatte die Anlage keinen Bass, so dass manches nicht recht zur Geltung kam und das Publikum über ein Mitwippen nicht hinausging. Spaß machte es dennoch – und das nicht zu knapp. Zum Ende hin spielten Shandy und Presure über eine Stunde lang ein PingPong-Set. Eine Break-Platte, eine House-Platte, eine Break-Platte, eine House-Platte. Höchst ungewöhnlich und höchst interessant!

Gegen 4 war Feierabend und als der letzte Gast hinaus war, wurden einander noch einige Lieblings-Platten vorgespielt, bevor es ab ins Hotel ging. Gegen Mittag durften wir in der Roten Bar noch ein tolles Brunch vom ausgefallenen Buffet genießen. Nach einem Besuch des Nürnberger Design Museums ging es dann wieder gen Heimat.
Rote Bar: Sicherlich eine Empfehlung für jeden Nürnberg-Besucher! Zumal es die einzige Bar in der fränkischen Metropole ist, die jedes Wochenende DJs aus dem elektronischen Bereich bietet.

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