Meine Musik sollte jeder hören

Musik ist für Jugendliche immer auch eine identitätsstiftende Projektionsfläche und damit auch die Möglichkeit sich abzugrenzen und gleichzeitig einer unbestimmten Gruppe anzugehören. Früher war die grobe Einordnung eines Teenagers nur durch szenetypische Kleidung und Frisuren möglich. Mit dem Aufkommen erschwinglicher Musikhandys präsentiert man sich nun öffentlich mit seiner aktuellen Lieblingsmusik. Gab es das nicht schon mal? Zumindest das Klischee des Ghettoblasters auf der Schulter eines Afro-Amerikaners hält sich ja hartnäckig.

Der trendige 15jährige von heute hat, wann immer er das Haus verlässt, das Handy im Lautsprechermodus laufen um im blechernen Schall der laufenden Musik in Erscheinung zu treten. Egal, ob in der Gruppe unterwegs ins Kino oder allein auf die Straßenbahn wartet: Die Musik muss laufen! Mitgelieferte Ohrstöpsel wurden beim Erhalt des neuen Telefons erstmal entsorgt. Dass der Klang mit diesen wesentlich besser wäre, als die scheppernde 2 Watt Musikleistung des Handylautsprechers, ist nebensächlich.

Wichtig ist seine individuelle Musik zu hören, wichtiger noch gehört zu werden. So erscheint auch das unsicherste und schüchternste Akneopfer irgendwie cool. Ich bin, was ich höre!

Es läuft, was derzeit angesagt ist (oder dafür gehalten wird) und über zwielichtige Kanäle im Internet verfügbar ist. Leider ist der Musikgeschmack in diesem Alter noch nicht voll entwickelt und so klimpert in aller Regel drittklassigen Ghetto-Rap oder auch mal etwas Jahrmarktstechno durch die Städte der Provinz. Provokation ist ein Privileg der Jugend und wir können es ihr belassen. Solange jedenfalls, bis die Lautstärke der Mobiltelefone im Lautsprechermodus nicht deutlich anziehen. Derzeit ist man mit wenigen Schritten den Schallwellen entflohen.

Gäbe es da nicht die ewig jungen Mitbürger, käme man nicht auf die Idee, darüber zu schreiben. Doch eine skurrile Szenen soll verbreitet werden. Die Szene einer Endvierzigerin, die zum Sonntagnachmittag mit Eminem aus dem Handy Ihren Spaziergang macht. Das ist dann nicht mehr cool!


Autor: Robert
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