Minimal – immer noch ein Thema

Sonntag, 20. April 2008 16:05 Uhr
Beitrag in Kolumne von Robert 458

Am Subgenre „Minimal“ scheiden sich nach wie vor die Geister. Heute werden Floors oder Partys meist nicht mehr so benannt, die Musik klingt der von vor 2 Jahren jedoch noch sehr ähnlich. Oft etwas grooviger oder auch zackiger, aber grundlegend anders – keinesfalls! Bei den immer wieder geführten Diskussionen sitze ich zwischen allen Stühlen. Warum? Nur weil Minimal drauf steht ist nicht Minimalismus drin – und umgekehrt: nur weil kein Minimal nicht drauf steht, kann trotzdem Minimal drin sein!
Gehen wir einfach ein paar Jahre zurück: Ende der 1990 gab es zwei sehr erfolgreiche Konsensplatten, die man leicht in die selbe Schublade stecken könnte, die sich aber am Punkt Minimalismus wesentlich unterscheiden: Ich spreche von Rolandos Knight of the Jaguar und Hale Bopp vom Dritten Raum. Beide Titel sind zweifelsohne Meilensteine. Doch während Rolando ein Track mit Breaks, beatfreien Flächen und unterschiedlich akzenztuierten Elementen schuf, beschränkte sich Der Dritte Raum auf ein einziges essenzielles Thema, das über die gesamte Tracklänge aufgebaut und später wieder abgebaut wird.

Und genau das ist meiner Meinung nach minimale Musik: Die Reduktion und Ausrichtung auf das Wesentliche des Tracks, während sonst in der Regel verschiedene Ansätze kombiniert werden und abwechselnd im Vorder- und Hintergrund laufen.

Carl Craig schafft es mit seinen Remixen oft das Wesentliche herauszuarbeiten und auf den Schnick-Schnack zu verzichten – trotzdem ist er des Minimal unverdächtig – wieso eigentlich?

Das was nun seit Jahren als Minimal verkauft wird, ist ein Beat, eine Baseline und ein paar Gimicks die das ganze Anreichern, sei es nun Gefrickel, Klicker-Klacker, Rauschen, Effekten oder Ähnlichem. Mit Minimalismus hat das doch nichts zu tun – es wird nicht reduziert, sondern verzichtet – nämlich auf ein Thema. Nennen wir es also besser Puritanismus!

Und zum Ende noch etwas fürs Phrasenschwein, was hier dennoch hingehört: Entscheident ist, ob die Musik gut oder schlecht ist, nicht in welchem Stapel der Plattenhändler sie einsortiert!

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20 Kommentare

  1. Daniel schrieb:

    Robert hat es auf den Punkt gebracht. Genauso ist es. Diese Reduktion eines gesamten Musikspektrums auf eine Splittergruppe der ganzen elektronischen Musik ist schlimm. Es wäre genauso, als wenn auf Drum’n’Bass_Partys nur TechStep gespielt werden würde. Darum sollte man auch damit aufhören, dieses chillige Geplucker als Minimal anzupreisen. Ich spiele auch Minimal, da scheppert die Bude aber ganz anders ;-)

    Montag, 21. April 2008 | 14:33

  2. Supi schrieb:

    Sehr schön beschrieben.
    Ich hab meine Meinung zu diesem Thema, hab sie in der Vergangenheit auch schon oft genug preis gegeben. Ich habs für mich abgehakt, akzeptiere es eben und gut ist. Achso: Veranstaltungen solcher Art meide ich deshalb auch, wenn ich schon am Line Up sehe auf was es musikalisch hinaus läuft, auch wenns mal die Lieblingslocation war.

    Schade eigentlich!

    Allerdings, eins frage ich mich immerwieder, wenn ich diese Aneinanderreihung von einzelnen Tonspuren irgendwo höre: gibt es bei dem jeweiligen DJs im Plattenladen auch dieses „Jawoll“- Erlebnis, gerade DIE Platte gefunden zu haben, die die Luft im Club zum brennen bringt?
    Kann ich mir immer schwer vorstellen.

    Mittwoch, 23. April 2008 | 15:51

  3. Rob schrieb:

    ich weiß nicht was immer auf minimal rumgehackt wird. ich finds gut dass sowas mal mehr läuft hier in der gegend.

    Donnerstag, 24. April 2008 | 12:39

  4. Supi schrieb:

    mal ja, aber subjektiv kommt es mir so vor, als würde es auf jeder mehr oder weniger großen party in der region um bautzen laufen.

    wie gesagt, subjektiv…

    Freitag, 25. April 2008 | 10:39

  5. Cosmo schrieb:

    Sehr gut beschrieben. Desweiteren fehlen noch Blinzler rüber zu diversen Acts die sich als Minimalacts schimpfen und was hinten rauskommt ist nen lauer Electro Furz!

    Dieses Jahr wirds eh housig. Auch zu sehen am Nachtdigital Line up…Aber selbst Housemusik ist seit 20 Jahren ein Streitthema, um es mal mit den Worten von Dusk zu beschreiben.

    So last uns weiter streiten über Genres ^^

    Samstag, 26. April 2008 | 14:35

  6. Daniel schrieb:

    Jedes Genre hat ja seine bösen Kinder, welche sich auf die Dominanzen eines Substyles reduzieren und ich sage mal bereit für die breite Masse machen. Das ist bei Minimal so, bei House, Rock, HipHop usw.

    Schlimm ist das nur dann, wenn es sich auch auf die Clubkultur ausbreitet, wie es ja fast überall der Fall ist. Verständlich. Eine volle Hütte will ja jeder. Nur wenige Booker bekommen da die Kurve und bleiben sich ihrem Style treu. Und das ist nur in den Großstädten wie LE oder B der Fall.

    Samstag, 26. April 2008 | 15:10

  7. duske schrieb:

    hallo supi.
    zu deiner frage „gibt es bei dem jeweiligen DJs im Plattenladen auch dieses “Jawoll”- Erlebnis“ möchte ich folgendes anmerken. stell dir vor supitrupi, dieses Erlebnis gibt es. nur wird nicht immer in 2. instanz erörtert, ob genau diese platte „die luft im club zum brennen“ bringt. stellst du dir immer diese frage?!? subjektiv, müßig, minimal erfrischend.

    Sonntag, 27. April 2008 | 21:16

  8. Daniel schrieb:

    Muss ich dem Dusk recht geben. In erster Linie kauft man ja Musik, die einem selbst gefällt. Wenn sie dann auch auf Party passt, umso besser.

    Montag, 28. April 2008 | 08:14

  9. Supi schrieb:

    neja, das is mir schon klar. ich meinte ja damit nicht, dass man nur platten kauft, weil man weiß, da feiern die leute, sondern schon seine interpretation von abendlicher musikunterhaltung darbieten sollte. wollte nich, dass hier einer denkt, ich befürworte hitschlampen ;).

    ist wie gesagt eine reine subjektive angelegenheit. und mir fehlt eben in der regionalen partylandschaft einfach die musikalische abwechslung. das muss man nicht unbedingt auf minimal begrenzen, aber ich vermisse es irgendwie, dass man auch auf dem floor hört, dass vor 30min der dj gewechselt hat. mir kommts eben so vor, als würde hier jeder 2. DJ im plattenladen in das selbe fach greifen.

    muss aber nochmal betonen, das ich selbst kaum noch auf partys gehe. ich kann also nicht von jeder party oder jeder location sprechen. is nur das, was ich noch so „mitkriege“. und wenn ich mal weggehe, dann hab ich das gefühl, dass sich meine vorurteile des öfteren auch wieder bestätigen.

    Montag, 28. April 2008 | 10:27

  10. Alex schrieb:

    Nur um das nochmal erwähnt zu haben, ich war schon auf partys, da hat der ironbase in seinen sets auch den hale bop vom dritten raum mit eingebaut….und der spielt nun wirklich keinen minimal ….

    Dienstag, 29. April 2008 | 00:07

  11. Cosmo schrieb:

    Es ist scheiß egal was vorne drauf steht, hauptsache hinten raus grooved dir den Arsch weg! ;)

    Dienstag, 29. April 2008 | 01:35

  12. Supi schrieb:

    naja, heutzutage hat doch eh jeder DJ seine eigene bezeichnung für das, was er spielt, um ja in keine schublade gesteckt zu werden ;)

    Dienstag, 29. April 2008 | 04:39

  13. Geschichtslehrer schrieb:

    Wenn man über die Geschichte von Minimal schreibt, sollte man einen Namen nicht vergessen: Robert Hood mit seinem 1994 erschienenen Album „Minimal Nation“. Dieses Album gilt als Geburtstunde des Minimal und daher auch der Name. Gefolgt vom legendären Album „Quo Vadis“ von G-Man 1995 gelten auch DBX aka Daniel Bell als Wegbereiter dieses Gengres. Deutsche Protagonisten waren Ende der Neunziger die Voigts mit den legendären Profan-Platten aus Köln von Kompakt, deshalb war der Hotspot früher auch Köln.

    Den endgültigen Durchbruch von Minimal setzte eigentlich schon Ende der Neunziger ein. Durch die massive Stiltrennung von Techno (mit der späteren Entwicklung zu Schranz / Hard Techno) und House (Disko House etc.) würzte jeder DJ gerne sein Set mit Minimal als stilübergreifendes Mittel (z.B.: Pokerflat-Platten). Der Höhepunkt folgte dann mit den üblichen Verdächtigen Ricardo Villalobos, Richie Hawtin (mit der Umorientierung seines M_nus Labels vor 4 Jahren von Techno zu Minimal) usw. Zur Zeit verbindet man Minimal verstärkt wieder mit Techno. Das war zum Anfang der Jahrtausendwende eher umgekehrt der Fall, als Minimal zum House tendierte.

    „Knights of the Jaguar“ gilt eigentlich eher als klassische Techno-Hymne, wurde jedoch später immer wieder mit der einsetztende Neo-Trance-Schiene innerhalb des Technos in Verbindung gebracht.

    Ansonsten, schönes Thema, schöne Diskussion ;)

    Dienstag, 29. April 2008 | 11:06

  14. Robert schrieb:

    Irgendwie habe ich den Eindruck, dass nur die Hälfte verstanden hat worum es in meinem Artikel ging – Schade…

    Dienstag, 29. April 2008 | 19:51

  15. Bastard schrieb:

    Naja Robert, liegt vielleicht wirklich an der etwas subjektiven Sichtweise! Für einen ordentlichen Artikel muß man doch genauer recherchieren und auch zum Schluß auf den Punkt kommen und nicht auf den Plattenladen als Urheber der Misere zu zeigen. Das einzige was ich zwischen Deinen Zeilen lesen kann ist, dass das Gefallen eines Tracks doch subjektiv ist und Dir Minimal nicht sonderlich gefällt. ;) Ich glaube das haben alle verstanden.

    Poste doch mal eine Tracklist eines Dich überzeugenden Sets?

    Dienstag, 29. April 2008 | 22:33

  16. Robert schrieb:

    Es geht doch hier nicht um das exakte journalistische Recherchieren und mit wohlbedachter Pointe, sondern um eine Diskussionsgrundlage – und die ist bewußt subjektiv.

    Ich wollte den Fokus auf den Begriff „Minimal“ legen. Denn wenn man sich Veröffentlichungen unter diesem Begriff anhört, fragt man sich wo der minimalistische Ansatz in dieser Musik ist?

    Eine repräsentative Tracklist kann ich leider nicht bieten. Habe mir in den letzten Tagen u.a. D´n´B-, Techno-, Electronika- und ein Henrik Schwarz-Set angehört und war mit allen zufrieden.
    Ach ja – Henrik Schwarz macht gute Musik, aber Minimal?

    Mittwoch, 30. April 2008 | 06:27

  17. Bastard schrieb:

    @ Robert: Oh ja – Henrik Schwarz ist super. Habe ich auch grad in Heavy Rotation. Hab ihn auf nem Innervision Label Showcase gesehen – eine wahre Freude wie er in seiner Musik aufgeht. Minimal würde ich nicht sagen – er wird ja immer in die Houseschiene geschoben. Passt meiner Meinung nach auch nicht richtig – ich meine mal ganz ehrlich – er hat den Sprung zum Künstler geschafft und ist halt Henrik Schwarz. Was besseres kann einem eigentlich nicht passieren.

    Ansonsten solltest Du mal den Veranstaltern vorschlagen, mit ihren Floors mehr anzufangen (gemäß Deiner Musikauswahl der letzten Tage). Stilrichtungen haben wir ja genung – und das Interesse ist da.

    Hab übrigens noch einen interessanten Link für alle Musikfanatiker:

    http://www.residentadvisor.com

    Das z.Z. beste Online-Music-Mag. Gibts grad kostenlos eine aktuelles MINIMAL-SET von Richie Hawtin im Podcast!!!! Hörs Dir mal und schreib mal was drüber …

    ;)

    Mittwoch, 30. April 2008 | 10:25

  18. Bastard schrieb:

    Ooops … falscher Link. Korrektur:

    http://www.residentadvisor.net/

    Mittwoch, 30. April 2008 | 10:28

  19. Supi schrieb:

    @ Robert:
    was heutzutage unter „electro“ herausgegeben wird ist für mich auch nix weiter als techouse, aber nicht electro im eigentlichen sinne. da könnte ich auch im urschleim bei kraftwerk anfangen ;-) .
    diese klassifizierung der musik heutzutage ist doch eh schall und rauch. jeder bedient sich beim produzieren aus den elementen der elektronischen tanzmusik. die stile verschmelzen so immer mehr. das führt maximal dazu, dass immer neue subgenres entstehen, die immer feiner begrenzt werden und somit für die meisten immer weniger auseinander zu halten sind.

    meine meinung: eine klare abgrenzung von electronischen musikstilen ist heute nur noch grob möglich. es gibt mittlerweile zu viele subgenres. erklär zum beispiel mal einem otto-normal-partygänger was der unterschied zwischen minimal-house und deephouse ist. und wenn du einen produzenten fragst, was er für musik produziert, wird der dir wohl nie eine eindeutige einordnung in irgendeine schublade geben, sondern er macht „eine mischung aus dies und jenem“ oder er meint, er möchte sich nicht in eine der sparten quetschen lassen.

    man kann sich also heutzutage über jeglischen musikstil streiten, ob dessen einordnung noch eingehalten wird oder nicht. es wird sich dadurch aber auch nicht ändern, da muss ich dem cosmo (wenn auch ungern ;) ) mal rechtgeben.

    Mittwoch, 30. April 2008 | 17:00

  20. Roc schrieb:

    Mist, warum hab‘ ich das jetzt alles gelsen?!

    Es ist doch so eine Wiedergänger-Diskussion. Ach-ja, minimal-scheißegal.

    Und was Musikdefinitionen angeht: Wer tanzen geht ist klar im Vorteil!

    Freitag, 2. Mai 2008 | 15:57


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